Brandenburg – Land der Pyramiden

Ungewöhnliches Bauwerk in Brandenburg: die Feldsteinpyramide in Garzau. (Foto: Matthias Schäfer)

Ungewöhnliches Bauwerk in Brandenburg: die Feldsteinpyramide in Garzau. (Foto: Matthias Schäfer)

Klirrend kalte Luft weht mir ums Gesicht. Der Himmel ist strahlend blau und das Thermometer zeigt eisige Minusgrade. Doch trotzdem zog es mich raus in die tiefgefrorene Natur. Dick eingepackt mache ich mich auf den Weg zum Ausgangspunkt meines Tagesausflugs – nach Rehfelde, am Rande der Märkischen Schweiz.

Mit der stündlich verkehrenden Oderlandbahn von Berlin-Lichtenberg erreiche ich das Dorf in einer knappen halben Stunde. Am Bahnhof angekommen, fällt mir sogleich das sanierte Empfangsgebäude ins Auge, in dem die Tourist-Information ein neues Zuhause gefunden hat. Auf dem Vorplatz steht zudem eine auffällig rote Info-Stele mit Wegweisern, die nicht zu übersehen ist. Hier werde ich ausführlich über die touristischen Sehenswürdigkeiten der Region informiert – und das neben Deutsch sogar auch auf Englisch und Polnisch. Insgesamt 30 solcher Stelen stehen entlang der Bahnstrecke – 14 davon auf dem polnischen Abschnitt.

Dreisprachig informiert: Wegweiser entlang der Ostbahn in Märkisch-Oderland

Dreisprachig informiert: Wegweiser entlang der Ostbahn in Märkisch-Oderland

Und ich erfahre, dass ich mich hier an einer sehr geschichtsträchtigen Bahnstrecke befinde. Es handelt sich um die Königlich-Preußische Ostbahn – die einstige direkte Bahnverbindung von Berlin bis ins ehemalige Königsberg, das heute Kaliningrad heißt. Die schnellsten Züge brauchten in den 1930er-Jahren für die Strecke rund sechseinhalb Stunden bis dorthin. Heute fahren die Regionalbahnen nur bis ins polnische Kostrzyn, knapp hinter der deutschen Grenze.

Pyramiden gibt es nicht nur Ägypten

Doch meine heutige kleine Wandertour führt mich heute ins nächste Dorf, nach Garzau. Hier soll Deutschlands größte Feldsteinpyramide stehen, wie ich auf einer der roten Infotafeln erfahre. Eine Pyramide in Brandenburg? Sind die nicht normalerweise in Ägypten? Nein, nicht nur – auch in hiesigen Regionen gibt es sie. Außer in Garzau stehen zwei weitere im Branitzer Park in Cottbus. Und der Neue Garten in Potsdam hat ebenso eine zu bieten.

Die Feldsteinpyramide Garzau wurde zwischen 2000 und 2009 wieder aufgebaut.

Die Feldsteinpyramide Garzau wurde zwischen 2000 und 2009 wieder aufgebaut.

Nach fünf Kilometern stehe ich dann tatsächlich vor dem Monument: Mitten im ehemaligen Landschaftspark thront sie auf einem Hügel, umgeben von hohen Kiefern. Die Feldsteinpyramide ließ Graf Friedrich Wilhelm Carl von Schmettau 1764 errichten. Er war Offizier der preußischen Armee sowie Kartograph und plante sie damals als Begräbnisstätte. Das Innere war zu seiner Zeit mit Skulpturen und Wandmalereien geschmückt.

Original und Kopie: Das rechte Portal ist von 1815 und seitdem Teil der Marienkirche in Strausberg.

Original und Kopie: Das rechte Portal ist von 1815 und seitdem Teil der Marienkirche in Strausberg.

Als der Graf allerdings das Gut Garzau im Jahr 1802 wieder verkauft hatte, verfiel der Park und die Natur holte sich nach und nach den geschaffenen Landschaftsgarten inklusive der Pyramide wieder zurück. Nur das Portal der Pyramide wurde gerettet und 1815 an die St. Marienkirche ins nahe gelegene Strausberg versetzt. Sie diente 2008 als Vorbild für die Kopie des Portals in Garzau. Bereits acht Jahre zuvor hatte sich ein Förderverein gegründet, der innerhalb von zehn Jahren dieses ungewöhnliche Bauwerk an gleicher Stelle wieder aufbaute.

Eine elektrisch betriebene Seilfähre verbindet Strausberg mit dem gegenüberliegenden Wald.

Eine elektrisch betriebene Seilfähre verbindet Strausberg mit dem gegenüberliegenden Wald.

Von Garzau geht es weiter durch den weiß verzuckerten Winterwald bis nach Strausberg, wo ich mich sogleich selbst von dem Original-Portal an der St. Marienkirche überzeugen kann. Von hier sind es nur noch wenige Meter bis zum Straussee, der schon an seinen Rändern zugefroren ist. In Höhe der Stadtmauer beginnt übrigens eine Seilfähre. Sie verbindet seit 1894 Strausberg mit dem gegenüberliegenden Waldgebiet, das den kuriosen Namen „Jenseits des Sees“ trägt.

Eisige Schönheit: Raureif an Sträuchern und Gräsern am Ufer des Straussees.

Eisige Schönheit: Raureif an Sträuchern und Gräsern am Ufer des Straussees.

Das Besondere an der Fähre: Sie ist europaweit die einzige elektrisch betriebene und bezieht den benötigten Strom über eine Oberleitung, die einmal quer über den Straussee gespannt ist. Dieses technische Denkmal ist inzwischen zu einem touristischen Anziehungspunkt Strausbergs geworden. Innerhalb von sieben Minuten legt sie die 350 Meter lange Verbindung zurück. Die Fähre ist das ganze Jahr über in Betrieb – selbst im Winter setzt der Fährmann über. Doch an diesem Wochenende musste die Fähre aufgrund der extremen Minustemperaturen leider im Hafen bleiben.

Blick auf die Altstadt von Strausberg – rechts im Bild der Sprungturm des Strandbades.

Blick auf die Altstadt von Strausberg – rechts im Bild der Sprungturm des Strandbades.

Wenn ich schon nicht ans andere Ufer gelange, so laufe ich wenigstens noch ein paar Meter in südlicher Richtung am See entlang und genieße die letzten Sonnenstunden des Tages. Vorbei am Strandbad, das 1925 eröffnet worden ist, und weiter bis in Höhe der Kopernikusstraße, wo man einen herrlichen Blick auf die Silhouette der Stadt hat. Von hier aus nehme ich die Straßenbahn zum Bahnhof Strausberg Vorstadt, wo mich die S-Bahn wieder zurück nach Berlin bringt.

Weitere Informationen:
www.pyramide.garzau.de
www.strausberger-eisenbahn.de
www.ostbahn.eu

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Garzau Pyramide 52.536573, 13.947094 Garzau, Pyramide, Garzau, Deutschland (Routenplaner)

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