Der Wandersmann

Manfred Reschke, 66-Seen-Wanderweg

Das Wandern ist Manfred Reschke nicht in die Wiege gelegt worden. Eigentlich passionierter Radfahrer findet er durch einen Zufall zum Wandern: die Berliner Mauer. Seine Ausflüge ins Berliner Umland nach Brandenburg fügt er nach seiner Pensionierung zu einem Wanderweg zusammen. Heute zählt der 66-Seen-Wanderweg zu den schönsten im Land.

Manfred Reschke stapft forschen Schrittes die Binnendüne hoch. Die kleine Wandergruppe lässt es ruhiger angehen. Guckt sich um. Bleibt stehen. Oben angekommen dreht sich der 75-Jährige um. Rasten ist seine Sache nicht. Die kleine Erhebung in Storkow liegt auf dem 66-Seen-Wanderweg. Das „Wandermagazin“ kürte den Weg jüngst in einer Umfrage zum zweitschönsten Wanderweg Deutschlands. Und deshalb sind wir mit Manfred Reschke auf „seinem“ Weg unterwegs.

Binnendüne in Storkow.

Brandenburg ist mit Bergen nicht gesegnet. Da ragt auch die Binnendüne in Storkow heraus.

Den Pensionär aus Berlin als Erfinder des 66-Seen-Wanderweges zu bezeichnen, ist keine Untertreibung. Dabei, so sagt er selbst, hat er nur die einzelnen Etappen zu einem Wanderweg zusammengefügt. Westberlin, Mitte der 1970er Jahre. Die Mauer steht und Manfred Reschke wird es zu eng in der Stadt. Warum am Wochenende nicht einmal einen Ausflug ins Umland machen? Dass dazwischen eine Grenze steht, macht die Sache nicht einfacher. Reschke arbeitet in der Bundesdruckerei. Jeder Ausflug muss angemeldet werden. Sein Fahrrad darf er nicht mit in die DDR nehmen. Also beginnen er und seine Frau notgedrungen mit dem Wandern.

66-Seen-Wanderweg: Binnendüne in Storkow.

Oben auf dem Aussichtspunkt gibt es dennoch einen herrlichen Blick.

66-Seen-Wanderweg: Tipps von Grenzsoldaten

Ihr erster Ausflug führt sie nach Erkner. Bei der einmaligen Episode bleibt es nicht. Immer wieder fahren die beiden jetzt am Wochenende in den Osten. Jedes Mal eine Reise in ein unbekanntes Land. Ein Wochenendausflug der Reschkes sieht so aus: Um vier Uhr aufstehen. Um sechs Uhr sind sie an der Grenze. Dort kennt man sie bald. Und von manchem Grenzsoldaten bekommen sie Tipps, was sie sich anschauen sollen. In Westberlin finden die Ausflüge „nach drüben“ nicht überall Anklang. Nach zwei Jahren haben sie es geschafft und Berlin zu Fuß umrundet.

66-Seen-Wanderweg: Burg Storkow.

In der Nähe der Burg Storkow führt der 66-Seen-Wanderweg auch vorbei.

1997 geht Manfred Reschke in den (Un-)Ruhestand. Und die Idee Wanderweg um Berlin nimmt Fahrt auf. Es dauert lange, bis der Weg ausgetüftelt ist. Bevor die erste Auflage seines Wanderführers erscheint, läuft Reschke den Weg zweimal ab. Er kennt ihn wirklich aus dem Effeff. Bis heute hat er Berlin acht Mal auf dem 66-Seen-Wanderweg umrundet. Mindestens. „In Caputh war ich mindestens schon dreißig Mal“, sagt Reschke. Die Ausflugsziele liegen wie Perlen verstreut um Berlin. Manfred Reschke hat die Perlen aufgehoben und zu einer Perlenkette geknüpft. Das aus einer Wanderung einmal ein ganzer Wanderweg werden würde, hätte er nie gedacht.

Als er seinen Wanderführer fertig hat, fehlt nur noch ein passender Titel. Der Verlag findet Manfred Reschkes Vorschlag „Auf Schusters Rappen rund um Berlin“ wenig sexy. Da kommt wieder der Zufall zu Hilfe und irgendwann fällt das Wort 66-Seen-Weg. „Aber eigentlich sind es ein paar mehr“, verrät Reschke ein kleines Geheimnis. Der 66-Seen-Wanderweg beginnt am Brandenburger Tor in Potsdam. Auf 17 Etappen führt der 66-Seen-Wanderweg auf 400 Kilometern einmal rund um Berlin. Die Ausgangs- und Endpunkte der einzelnen Streckenabschnitte sind gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Von Storkow geht es in Richtung Bad Saarow am Scharmützelsee. Die Herbstsonne funkelt auf der Wasseroberfläche. Die Blätter an den Bäumen leuchten. Ein paar Möwen sitzen auf dem Steg am Hafen. „Brandenburg gehört zu den schönsten Landschaften in Deutschland“, sagt er, „das ist so, da gibt es keine Frage“. Und resolut wie er ist, duldet er in dieser Frage keinen Widerspruch.

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