Stadtgeschichten: Ein Tag in Frankfurt (Oder) und Słubice

Foto: Matthias Schäfer

Frankfurt(Oder) von oben, Foto: TMB-Fotoarchiv/Matthias Schäfer

Wer sich Frankfurt (Oder) und Słubice nähert, dem fällt von weitem schon der Oder-Turm auf. Vom 24. Stockwerk lässt sich am besten überblicken, was die beiden Städte zu bieten haben. Viel Wasser, viel Grün, jede Menge Kultur – und nur hier können Besucher während einer einzigen Reise gleich zwei Städte und zwei Länder kennen lernen.

Schon am Bahnhof wird klar, dass in dieser Stadt vieles anders ist im Vergleich zu anderen brandenburgischen Städten. So sind die Wegweiser im Empfangsgebäude alle zweisprachig – deutsch und polnisch. Auch auf meinem Weg in die Innenstadt begegnen mir immer wieder Plakate und Schilder, die in beiden Sprachen verfasst sind. Wer in Frankfurt an der Oder und Słubice unterwegs ist, bewegt sich durch eine europäische Doppelstadt, die in Deutschland und Polen liegt – begegnet Menschen mit unterschiedlichen Sprachen und Mentalitäten, die aber eine gemeinsame Vergangenheit haben.

Foto: Matthias Schäfer

Markantes Bauwerk in der Stadt ist der 25 Stockwerke hohe Oder-Turm. In der 24. Etage befindet sich das Restaurant Turm24, von wo aus Besucher einen grandiosen Blick über Frankfurt und Słubice haben. Im Vordergrund der Lenné-Park.

Petra Janke, Geschäftsführerin des Tourismusvereins von Frankfurt an der Oder, bringt es auf den Punkt: „Touristen und Tagesgäste, die zu uns an die Oder kommen, können gleichzeitig zwei Städte und Länder entdecken – sie machen aber nur eine einzige Reise.“ Seit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union im Jahre 2004 ist vieles einfacher geworden. Und die Menschen zu beiden Seiten der Oder konnten langsam eine neue Identität finden und daraus ein neues Heimatgefühl entwickeln.

Foto: Matthias Schäfer

Die Skyline von Frankfurt an der Oder – von der polnischen Seite aus betrachtet: Derzeit sind auf der Europabrücke Fotoarbeiten der Designakademie Berlin ausgestellt.

Dies gilt natürlich auch für den Tourismusverein, wo heute selbstverständlich Deutsche und Polen zusammenarbeiten, um den Tourismus in der gesamten Region von Bad Freienwalde über Frankfurt/Oder, Eisenhüttenstadt und Neuzelle auf deutscher Seite und von Zielona Gora, Słubice, Gorzów und Kostrzyn auf polnischer Seite voranzubringen. „Wir lernen von unseren polnischen Kollegen und sie von uns“, erzählt Petra Janke. Zwar gebe es noch immer Menschen, die nur zum Tanken auf die andere Seite fahren, aber umgekehrt erwerben viele polnische Bürger Drogerie-Artikel oder Textilien am liebsten in Deutschland. Und aufs Jahr gerechnet stammen inzwischen rund 40 Prozent des gesamten Umsatzes im Frankfurter Einzelhandel von polnischen Bürgerinnen und Bürgern.

Foto: Matthias Schäfer

Gleich hinter der Europabrücke beginnt Słubice – die frühere Dammvorstadt von Frankfurt an der Oder: Sehenswert sind hier neben dem alten Ostmark-Stadion auch der ehemalige jüdische Friedhof.

An diesem heißen Sommertag zieht es mich sofort ans Wasser. Hier an der Oder suche ich mir ein schattiges Plätzchen in einem Biergarten auf der Insel Ziegenwerder, die im Jahr 2003 zum Europagarten umgestaltet worden ist. Ein idealer Ort für eine kleine Open-Air-Sommerfilmwoche, die vom 19. bis 23. August hier stattfinden wird. Schnell wird mir klar, dass Frankfurt eine sehr grüne Stadt ist. Neben der Insel Ziegenwerder, die gerade für Studierende der nahe gelegenen Universität Viadrina ein beliebtes Ziel zum Entspannen ist, gibt es den Lenné-Park. Er zieht sich fast einen Kilometer lang in Nord-Süd-Richtung durch die Stadt und zählt zu den ersten Bürgerparks in Deutschland.

Foto: Matthias Schäfer

Oder-Strand auf der Insel Ziegenwerder – im August gibt es hier eine Woche lang Open-Air-Kino.

Überhaupt entdeckt Frankfurt immer stärker die Vorzüge einer Stadt, die am Wasser liegt. So laden inzwischen mehrere Cafés und Restaurants auf dem ehemaligen Hafengelände zum Verschnaufen ein. Auch Wohnen an der Oder wird immer beliebter; mehrere attraktive Stadtwohnungen sind in den vergangenen Jahren am Fluss entstanden. Unmittelbar am Ufer führt zudem der Oder-Neiße-Radweg entlang.

Und wer sich die Stadt sowie die Umgebung mal vom Wasser aus betrachten möchte, hat dazu ebenso Gelegenheit. Die „Zefir“ startet vom ehemaligen Holzmarkt aus mehrmals im Monat zur Schiffsfahrten über die Oder. Gleich daneben liegt die Charterboot-Gesellschaft „Onkel Helmut“ von Dirk Triebler. Das im Hafen festgemachte Holzfloß ist das ideale Wassergefährt für eine ausgelassene Floß-Party auf der Oder. Wer selbst ins kühle Nass springen möchte, fährt am besten zum nahe gelegenen Helenesee. Er liegt inmitten von märkischen Kiefern und ist wegen seiner Tiefe besonders bei Tauchern beliebt.

Foto: Matthias Schäfer

Im Hafen von Frankfurt liegt die „Zefir“. Das Boot startet seit diesem Jahr zu bestimmten Zeiten zu Schiffsausflügen auf der Oder. Den genauen Fahrplan gibt es hier.

Doch Frankfurt ist auch eine Kulturstadt mit einem beeindruckenden Angebot an Museen, Konzerten und Theatern. In der Konzerthalle, einer alten Franziskaner Klosterkirche am Oderufer, hat nicht nur das Brandenburgische Staatsorchester seinen Sitz. Hier ist auch die 1815 gegründete Frankfurter Singakademie zu Hause. Und die Stadt hat außerdem einen berühmten Sohn: Heinrich von Kleist – der Dichter des „Zerbrochenen Krug“ oder „Prinzen von Homburg“ wurde hier 1777 geboren.

Foto: Matthias Schäfer

Die St. Marienkirche ist die größte mittelalterliche Kirche Brandenburgs. In ihr sind seit 2008 wieder die berühmten farbigen Bleiglasfenster aus dem späten 14. Jahrhundert zu sehen, die zuvor von Russland zurückgegeben worden waren.

Auch bedeutende Musiker haben in Frankfurt gewirkt – allen voran Carl Philipp Emanuel Bach, der zweite Sohn des großen Sebastian, der seinerzeit vier Jahre an der Viadrina studiert hatte. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 300. Geburtstag von C.P.E. Bach wird die neu konzipierte ständige Ausstellung in der Konzerthalle am 9. September 2014 wiedereröffnet.

Foto: Matthias Schäfer

An der Universität Viadrina sind Studierende aus insgesamt 72 Nationen eingeschrieben.

Ein weiterer kultureller Höhepunkt ist die Dalí-Ausstellung im Museum Junge Kunst. Rund 300 Exponate werden bis einschließlich 19. Oktober 2014 zu sehen sein – meist großformatige Zeichnungen, Aquarellen und Gouachen, unter anderem auch Vorzeichnungen sowie Druckplatten aus Holz, Zink, Kupfer und Gold.

Foto: W. Kohn, Bamberg

Dalí mit der katalanischen Mütze,1977: Die Ausstellung im Museum Junge Kunst ist vom 19. Juli bis 19. Oktober 2014 zu sehen.

Nach einem langen und erlebnisreichen Tag in Frankfurt (Oder) und Słubice lasse ich den Sommerabend entspannt bei einem Cocktail und Tapas am Fluss ausklingen und besuche das Havanna. Die Bar gilt noch immer als Geheimtipp in der Stadt. Direkt an der Oder-Promenade steht eine Baracke, aus der heiße Salsa-Rhythmen erklingen. Auch viele Musiker der benachbarten Konzerthalle sollen hier Stammgäste sein.

Weitere Informationen
Brandenburger Singakademie
Brandenburgisches Staatsorchester
Fahrplan Oder-Schifffahrt
Havanna Bar
Konzerthalle C.P.E. Bach
Museum Junge Kunst
Panorama-Restaurant Turm24
Sommerfilmwoche Insel Ziegenwerder
Tourist-Information Frankfurt (Oder) Słubice

Anreise
Der Regionalexpress RE1 fährt von Berlin aus alle halbe Stunde nach Frankfurt (Oder); der RE 11 aus Cottbus verkehrt im Stundentakt. Darüber hinaus gibt es Verbindungen mit der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) von Eberswalde sowie Königs Wusterhausen.

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Frankfurt an der Oder

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Konzerthalle C.P.E. Bach: 52.349738, 14.551764
Museum Junge Kunst: 52.344066, 14.554406
Insel Ziegenwerder: 52.337883, 14.559245
Panorama Restaurant Turm 24: 52.342120, 14.551840
Tourist-Information: 52.344175, 14.550555