Spreewaldweihnacht: Bescherkind, Rumpodich und Gestalten

Verhüllt mit weißem Tüll und bunten Bändern: das Bescherkind im Spreewald, Foto: www.spreewaldweihnacht.de

Der Weihnachtsmann wohnt ja derzeit in Himmelpfort in Brandenburg. Jedes Jahr im November bezieht er in der kleinen Poststube sein winterliches Quartier. Doch wo leben eigentlich das Bescherkind und der Rumpodich? Wer sind die beiden überhaupt, wie sehen sie aus und was hat das alles mit Weihnachten zu tun? Doch der Reihe nach.

In der idyllischen Landschaft zwischen Stolpsee, Sidowsee, Moderfitzsee und Haussee beantwortet der Weihnachtsmann noch bis zum 24. Dezember um die Mittagszeit die unzähligen Wünsche von Kindern aus der ganzen Republik. Nicht weniger geschäftig geht es im Spreewald zu. Aber vom Weihnachtsmann in seinem roten Mantel ist hier weit und breit nichts zu sehen. Weihnachten ohne Weihnachtsmann? Ja! Hier in dieser Region übernimmt das Bescherkind die Arbeit. So heißt das Christkind bei den Sorben und Wenden, die hier leben. Und es hat viel zu tun in der Vorweihnachtszeit.

Das Gewand des Bescherkindes besteht aus den schönsten Teilen der sorbischen Brautjungferntracht.

Das Gewand des Bescherkindes besteht aus den schönsten Teilen der sorbischen Brautjungferntracht.

Das Bescherkind zieht von Haus zu Haus und kündigt seine Ankunft mit einem Glöckchen an – selbst bleibt es aber stumm. Damit soll die Besinnlichkeit der Vorweihnachtszeit verdeutlicht werden. Außerdem ist sein Gesicht mit weißem Tüll und bunten Bändern verhüllt. Denn niemand soll das Christkind erkennen. Umso auffälliger sind sein Kopfschmuck und das Gewand, das aus den schönsten Teilen der sorbischen Brautjungferntracht besteht.

Spreewaldweihnacht: Weihnachten wie vor 100 Jahren

In der einen Hand trägt das verschleierte Mädchen eine mit bunten Bändern verzierte Rute aus Reisig. Damit hat es früher an Fenster und Türen geschlagen und sein Kommen angekündigt. Auch heute noch setzt es seine Rute ein – zum Beispiel während der Spreewaldweihnacht – und streift damit den aufgeregten Kindern leicht über die Schulter. Das ist aber nicht als Strafe zu verstehen, sondern soll ihnen Kraft, Glück und Gesundheit für das bevorstehende neue Jahr geben. Am anderen Handgelenk hat das Bescherkind ein kleines mit Süßigkeiten, Äpfeln und Nüssen gefülltes Bündel, um die Kinder damit zu beschenken. Dem Bescherkind zur Seite steht Knecht Ruprecht, der bei den Sorben und Wenden Rumpodich heißt. Er trägt einen Mantel aus weißem Schaf-Fell mit passender dunkler Mütze dazu.

Dem Bescherkind zur Seite steht Knecht Ruprecht, der bei den Sorben und Wenden Rumpodich heißt.

Dem Bescherkind zur Seite steht Knecht Ruprecht, der bei den Sorben und Wenden Rumpodich heißt.

Der Jahrhunderte alte Brauch geht auf eine Zeit zurück, während der sich die jungen Frauen eines Dorfes in der Spinnstube auf einem der Bauernhöfe getroffen haben. Wenn eine unter ihnen war, die im folgenden Jahr heiraten wollte, wurde sie zum Bescherkind ernannt. Bis in die 1950er-Jahre hielt dieser Brauch an. Erst nach der Wende lebte diese alte Tradition in den Gemeinden der sorbischen Minderheit wieder auf.

Weihnachten wie vor 100 Jahren - zu erleben während der Spreewaldweihnacht in Lehde und Lübbenau.

Weihnachten wie vor 100 Jahren – zu erleben während der Spreewaldweihnacht in Lehde und Lübbenau.

Wer die alte Tradition einmal hautnah erleben möchte, besucht am besten die Spreewaldweihnacht am ersten und zweiten Advent. Einzigartig ist bereits die Anreise. Denn der Weihnachtsmarkt in Lehde ist der bundesweit einzige, der nur über das Wasser erreichbar ist. Doch zunächst erwartet die Besucher ein maritimer Weihnachtsmarkt am Großen Spreewaldhafen im nahe gelegenen Lübbenau – mit Spreewald-Kapitänen, Räucherfisch und heißem Grog. In Decken eingehüllt und mit wärmenden Glühwein dazu geht es dann mit dem Kahn über die winterlichen Fließe zum Freilandmuseum Lehde. Bei diesen Kahnfahrten sind immer auch ein paar ganz besondere Gäste an Bord: Ein oder zwei Wichtel tragen während der rund 30 Minuten langen Überfahrt Weihnachtsgeschichten, Sagen oder Gedichte vor.

In Decken gehüllt und mit Glühwein geht es per Kahn über die winterlichen Fließe zum Freilandmuseum Lehde.

In Decken gehüllt und mit Glühwein geht es per Kahn über die winterlichen Fließe zum Freilandmuseum Lehde.

In Lehde angekommen, tauchen die Besucher in eine komplett andere Welt ein und erleben, wie die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest vor mehr als 100 Jahren ausgesehen haben. In den Höfen und erleuchteten Stuben kann man Frauen vor Spinnrädern sitzen sehen oder ihnen beim Backen und Geschenke basteln zuschauen. Außerdem erfahren die Gäste mehr über die besonderen Traditionen des Spreewaldes: dazu gehört der Drehbaum – ein Weihnachtsbaum aus Holz. Vermutlich hatte es in früheren Jahren nicht genügend Tannen in der Region gegeben und so entstand der Brauch des Schmückens eines Holzbaums.

Mehr Informationen: www.spreewaldweihnacht.de

Karte wird geladen - bitte warten...

Lehde 51.863590, 13.990488 Der Weihnachtsmann wohnt ja derzeit in Himmelpfort in Brandenburg. Seit dem 7. November hat er dort in der kleinen Poststube sein winterliches Quartier bezogen. Doch wo leben eigentlich das Bescherkind und der Rumpodich? Wer sind die beiden überhaupt, wie sehen sie aus und was hat das alles mit Weihnachten zu tun? Doch ganz der Reihe nach. Mehr lesen...Dorfstraße 3, 03222, Lübbenau/Spreewald, Deutschland (Routenplaner)