Brandenburger, geht essen!

Stefan Elfenbein

Stefan Elfenbein kennt sie, die besten Restaurants in den Metropolen dieser Welt. Der Autor für das Magazin „Der Feinschmecker“ ist aber auch Kenner der Brandenburger Restaurantszene. Wenn der gestrenge Kritiker nach Brandenburg kommt, hat er schon lange keine Angst mehr, dass er unterwegs nichts zu essen bekommt.

An sein erstes Mal kann sich Stefan Elfenbein noch gut erinnern. Er ist gerade aus New York zurückgekehrt, als er 2001 für das Magazin „Der Feinschmecker“ nach Brandenburg fährt. In Finsterwalde isst er bei Frank Schreiber im Restaurant „Zum Goldenen Hahn“ und bei Oliver Heilmeyer im „17fuffzig“ in Burg. Beide gehören bis heute zu den besten Restaurants im Lande. Im Gault Millau sind sie mit 16 Punkten in der Spitzengruppe vertreten. „Mir hat imponiert, wie die beiden sich trauten, mit einer wunderbaren Küche an diesen Orten ein kulinarisches Ausrufezeichen zu setzen“, sagt Stefan Elfenbein.

Essen in Brandenburg - Frank Schreiber in Finsterwalde

Frank Schreiber kocht im Restaurant „Zum Goldenen Hahn“ in Finsterwalde. Foto: © Zum Goldenen Hahn

Regionales aus Brandenburg

Wenn Stefan Elfenbein sich nach Brandenburg aufmacht, freut er sich auf Menüs mit regionalen Produkten, die „mit Liebe zubereitet und serviert“ werden. Das eine Brandenburger Lieblingsrestaurant hat er aber nicht. In Potsdam isst er gerne im „Speckers Landhaus“ oder im „Friedrich Wilhelm“ im Hotel „Bayrisches Haus“. Zuhause in Berlin ist sein Speisezettel auch sehr brandenburgisch geprägt. Jeden Samstag kauft er saisonale Produkte aus hiesigen Gefilden auf dem Bio-Markt auf dem Chamissoplatz in Kreuzberg ein.

Inkognito unterwegs

Der Gastro-Kritiker versteht sich als Partner der Küchenchefs. In seine Artikel fließen viele Informationen ein, nicht nur das singuläre Geschmackserlebnis. Stefan Elfenbein ist überzeugt, das eine konstruktive Kritik das Restaurant besser macht. Die meisten Küchenchefs erkennen ihn bis heute nicht, wenn er bei ihnen isst. Zu seiner Grundausstattung gehören ein falscher Name bei der Reservierung, eine geheime Telefonnummer. Jahrelang gab es kein Foto von ihm. Mittlerweile stehen ein paar Bilder im Internet. Ein Facebook-Profil, eine eigene Homepage oder ein Handy? Fehlanzeige.

Hier isst das Auge immer mit. © Landgasthof zum Mühlenteich

Im Landgasthof in Petershagen-Eggersdorf kocht jetzt Sascha Friedrichs. Hier isst das Auge immer mit. © Landgasthof zum Mühlenteich

Ist er in all den Jahren schon einmal überrascht worden? Stefan Elfenbein empfiehlt allen, die gut essen wollen, „einfach raus zu fahren nach Brandenburg“. Dann widerfahren einem Überraschungen, wie im Gasthof „Zur Eisenbahn“ in Temmen-Ringenwalde. Hier kocht Maik Fritsch unbeirrt heimische Gerichte aus der Uckermark. Für den Aufschwung der Brandenburger Küche ist auch die wachsende Zahl regionaler Produzenten verantwortlich. Erst mit diesen Produkten können die Küchenchefs ihre Ideen auf die Teller bringen.

Lasagne nur aus Nüssen

Und damit besteht Brandenburg auch vor den kritischsten Geschmäckern. Stefan Elfenbein erinnert sich, dass während der Berlinale vor ein paar Jahren Alice Walters zu einer Feier in Berlin einlud. Die Amerikanerin gilt als Grand Dame der kalifornischen Küche und besitzt mit dem “Chez Panisse“ eines der Top-Restaurants in Amerika. Von ihr erhielt Stefan Elfenbein den Auftrag regionale Produkte für das Menü einzukaufen. Im kalten Februar. „Sie hat mit Bio-Haselnüssen, Walnüssen und Buchweizen und Roggenmehl eine wunderbare Lasagne gezaubert“, erinnert sich Stefan Elfenbein.

kochZimmer in Beelitz

Junge Küche auf dem Land: Patrick Schwatke (rechts) kam aus Berlin nach Beelitz ins kochZimmer. © kochZimmer

Mit guter Küche Touristen ins Land holen

„Brandenburg muss sich in der Restaurantszene absolut nicht verstecken“, sagt der Gastro-Kritiker. Doch im Vergleich mit anderen Bundesländern hat Brandenburg noch immer die wenigsten Punkte, also „Fs“ im „Feinschmecker“ aufzuweisen. „Mit kulinarischen Angeboten sollte auch viel stärker um Touristen geworben werden“, sagt Stefan Elfenbein. „Gutes Essen in guten Restaurants ist ja nichts Abgehobenes und ist für jeden Geldbeutel zu haben. Und gute Küche im Bundesland ist natürlich auch Wirtschaftsfaktor.“

Den Brandenburgern empfiehlt er, einfach selber öfters mal essen zu gehen, keine Scheu vor dem Gang ins Restaurant zu haben. Einen seiner nächsten Besuche plant Stefan Elfenbein im neuen Restaurant „Bischofsschloss“ in Fürstenwalde. Schon wieder so eine Entdeckung.