Loriot: Der Täufling von St. Gotthardt

TMB-Fotoarchiv / Steffen Lehmann

Die Kirche des ehemaligen Franziskanerklosters St. Johannis in Brandenburg an der Havel ist eine der Stationen auf dem „Reformationspfad“ durch die Altstadt. (TMB-Fotoarchiv / Steffen Lehmann)

Wer hätte das gedacht? Auch in Brandenburg gibt es Orte, die mit der Reformationszeit in Verbindung stehen. Sichtbar wurde dies vor allem in den Kirchen. So auch in Brandenburg an der Havel, wo mit der St.-Gotthard-Kirche eines der herausragendsten Beispiele einer Reformationskirche steht.

Sie sind eine ganz besondere Spezies und ein ständiger Wegbegleiter. Mal wirken sie friedlich, mal angriffslustig, so als würden sie einem gleich in die Wade beißen wollen – die Waldmöpse. Man fühlt sich in der mehr als 1.000 Jahre alten Domstadt an der Havel, die als die Wiege der Mark Brandenburg gilt, auf Schritt und Tritt von ihnen beobachtet.

Die Ausstellung „Altlust“ ist noch bis zum Reformationstag am 31. Oktober 2017 im Dom zu Brandenburg an der Havel zu sehen. TMB-Fotoarchiv: Steffen Lehmann

Die Ausstellung „Altlust“ ist noch bis zum Reformationstag am 31. Oktober 2017 im Dom zu Brandenburg an der Havel zu sehen. (TMB-Fotoarchiv / Steffen Lehmann)

Ein Waldmops lugt über den Beckenrand des Brunnens auf dem Altstädtischen Markt in Brandenburg an der Havel. Foto: Matthias Schäfer

Ein Waldmops lugt über den Beckenrand des Brunnens auf dem Altstädtischen Markt in Brandenburg an der Havel. (Foto: Matthias Schäfer)

Die kaum 30 Zentimeter hohen Bronzewesen mit ihrem Mini-Geweih auf der Stirn sind in der ganzen Stadt verteilt. Sie schauen mal neugierig über den Beckenrand, heben ein Bein an einem Stein oder bewachen mit kritischem Blick ein Denkmal. Und zwar nicht irgendeines, sondern das ihres Schöpfers: Loriot – alias Vicco von Bülow, der hier in der Stadt 1923 nicht nur geboren, sondern im selben Jahr auch getauft worden ist.

Loriot-Karikatur mit dem Hund Wum in der St.-Gotthardt-Kirche (Foto: Matthias Schäfer)

Loriot-Karikatur mit dem Hund Wum in der St.-Gotthardt-Kirche in Brandenburg an der Havel (Foto: Matthias Schäfer)

Unterwegs auf dem „Reformationspfad“

Und nicht in irgendeiner Kirche wurde der für seinen Wortwitz bekannte Humorist getauft, sondern in der St.-Gotthardt-Kirche. Sie gilt im Land Brandenburg als ein herausragendes Beispiel einer Reformationskirche.

Nur fünf Minuten zu Fuß ist die St.-Gotthardt-Kirche vom Altstädtischen Markt entfernt. Foto: Matthias Schäfer

Nur fünf Minuten zu Fuß ist die St.-Gotthardt-Kirche vom Altstädtischen Markt entfernt. (Foto: Matthias Schäfer)

Loriot, alias Vicco von Bülow, wurde in der St.-Gotthardt-Kirche in Brandenburg an der Havel getauft. Foto: Matthias Schäfer

Loriot, alias Vicco von Bülow, wurde in der St.-Gotthardt-Kirche in Brandenburg an der Havel getauft. (Foto: Matthias Schäfer)

Das Gotteshaus mit vormals 18 Altären hatte zu jener Zeit einen tiefgreifenden Wandel erfahren. Bis heute besticht sie durch ihre schlichte Ausstattung und einen neuen Flügelaltar, der 1559 von den damaligen Ratsherren der Stadt in Auftrag gegeben worden war. Welche weiteren charakteristischen Merkmale eine protestantische Kirche ausmachen, ist in einer Doppel-Ausstellung zu sehen, die in Kooperation mit dem Dom St. Peter und Paul entstanden ist.

Gasse in der Altstadt in der Nähe der Havel (Foto: Matthias Schäfer)

Gasse in der Altstadt in der Nähe der Havel (Foto: Matthias Schäfer)

Martin Luther war übrigens nie selbst in der Stadt gewesen. Trotzdem gibt es neben St. Gotthardt weitere Gebäude in der Stadt, auf die die Reformation unmittelbar Auswirkungen hatte. Miteinander verbunden sind diese über den „Reformationspfad“.

Auf seiner Route mit insgesamt fünf Stationen liegt unter anderem die Altstädtische Lateinschule. Dass es diese gibt, ist den damaligen Ratsherren zu verdanken, die der Reformation und damit der Erziehung nach der lutherischen Lehre offen gegenübergestanden haben. 

In dem Fachwerkgebäude am Gotthardtkirchplatz war bis 1591 die ehemalige Lateinschule untergebracht. Foto: Matthias Schäfer

In dem Fachwerkgebäude am Gotthardtkirchplatz war bis 1591 die ehemalige Lateinschule untergebracht. (Foto: Matthias Schäfer)

Anreise:
Ihr Bahnausflug nach Brandenburg (Havel) – günstig, schnell und bequem mit DB Regio Nordost: Ticket- und Anreiseempfehlungen 

Alle halbe Stunde verbindet der Regionalexpress RE 1 in 45 Minuten Berlin-Hauptbahnhof mit Brandenburg an der Havel. Vom dortigen Hauptbahnhof geht es weiter mit der Tramlinie 2 oder 6 in die Altstadt.

Mit der Straßenbahn gelangt man bequem vom Hauptbahnhof über die Jahrtausendbrücke (im Bild) zum Altstädtischen Markt, wo der Reformationspfad beginnt. Foto: Matthias Schäfer

Mit der Straßenbahn gelangt man bequem vom Hauptbahnhof über die Jahrtausendbrücke (im Bild) zum Altstädtischen Markt, wo der Reformationspfad beginnt. (Foto: Matthias Schäfer)

Weitere Informationen:
Schöne Aussichten vom St.-Gotthardt-Kirchturm: Täglich von 11 bis 17 Uhr ist die Türmerstube zugänglich, in St. Gotthardt findet zudem am 31.10.2017, dem Reformationstag, der Festgottesdienst „500 Jahre Reformation“ statt.
www.dom-brandenburg.de
www.gotthardtkirche.de
www.stg-brandenburg.de