Essen und trinken wie zu Martin Luthers Zeiten

Foto: Matthias Schäfer

Gebraut in Fürstenwalde an der Spree: „Luthers Schwarzes“ - das Bier zum Reformationsjubiläum. Foto: Matthias Schäfer

Was dem Reformator Martin Luther wohl einst gemundet haben mag? Vielleicht war es Erbsenpüree mit Brathering, den er sich vor 500 Jahren auf der Zunge zergehen ließ. Bestimmt wird er sich auf seinen Reisen immer mal wieder ein frisch gezapftes Bier schmecken lassen. Hier ein paar Tipps für eine kulinarische Entdeckungstour im Luther-Jahr durch Süd-Brandenburg.

In einem Seitenraum des Kellergewölbes ist es warm und es riecht intensiv nach Maische. Dieser Geruch entsteht, wenn geschrotetes Malz mit Wasser vermischt und erhitzt wird. Brauer Oliver Wittkopf hat gerade einen Braukessel angesetzt, in dem 500 Liter Bier bei 100 Grad Celsius kochen. Es ist ein ganz spezielles Bier. „Luthers Schwarzes“ gibt es nur zum Reformationsjubiläum. 1.000 Liter wurden insgesamt davon hergestellt und in 1-Liter-Flaschen mit dem charakteristischen blau-gelben Luther-Etikett abgefüllt.

Luther-Bier aus Fürstenwalde (Spree)

„Das Luther-Bier ist ein dunkles, untergäriges, nicht so stark gehopftes Bier mit einem leicht malzigen Geschmack“, erzählt Peter Seifert, Inhaber der Rathausbrauerei Fürstenwalde im Seenland Oder-Spree. Rund acht Stunden dauert das Kochen des Bieres. Danach kommt es in den Whirlpool – einer Zentrifuge, wo das Bier langsam heruntergekühlt wird.

Foto: Matthias Schäfer

Oliver Wittkopf, Peter Seifert mit einer Flasche „Luthers Schwarzes“ und Bernd Norkeweit (von links) von der Rathausbrauerei in Fürstenwalde

1451 hatte die Brautradition in Fürstenwalde an der Spree begonnen. Große Unternehmen wie Paulaner, Schultheiß und Patzenhofer hatten einst große Brauereien in der Stadt. In den 1930er-Jahren endete jedoch die jahrhundertelange Tradition aufgrund der Konkurrenz der Bier-Unternehmen im nahen Berlin.

Erst 76 Jahre später wurde die 565 Jahre lange Brautradition in Fürstenwalde fortgesetzt. Genau gesagt war es der 12.12.2012. An diesem Tag wurden die ersten Maschinen und Kessel in den Keller des alten Rathauses gehievt, erinnert sich Peter Seifert. Von nun an zog wieder Leben in den Gewölbekeller des Alten Rathauses ein.

Das Besondere in der Brauerei: alles ist handgemacht – vom Befüllen der glänzenden Kupferkessel bis zum Abfüllen in die 1-Liter-Bügelflaschen. Und die Zutaten sind immer gleich: Malz, Hopfen, Hefe und Wasser – so will es das Reinheitsgebot von 1516. Nur durch die veränderten Anteile der Zutaten und verschieden langen Kochzeiten kommt am Ende ein unterschiedlicher Biergeschmack zustande.

Luther-Menü in Finsterwalde

Foto: Stephanie Kammer

Der Herzberger Luther-Fachmann Ulf Lehmann (links) zusammen mit dem Gastronomenpaar Iris und Frank Schreiber vom „Goldenen Hahn“ in Finsterwalde.

Bestimmt hätte Martin Luther das Fürstenwalder Rathsbräu gemundet, so wie auch das 4-Gang-Menü im Restaurant „Goldener Hahn“ in Finsterwalde im Elbe-Elster-Land. Hier steht seit 20 Jahren Gourmetkoch Frank Schreiber am Herd. In diesem Jahr hat er sich ein spezielles Luther-Menü ausgedacht.

Foto: Frank Schreiber

Luthers Leibspeise soll Brathering mit Erbsenpüree gewesen sein. Wie das schmeckt, erfährt man im Restaurant „Goldener Hahn“ in Finsterwalde.

Dazu hat Frank Schreiber zusammen mit seiner Frau Iris vorab intensiv in Büchern recherchiert, was bei Martin Luther und seinen Zeitgenossen in Eisleben, Magdeburg, Worms oder Wittenberg auf den Tischen gestanden hatte. Dazu zählt unter anderem ein Erbsenpüree mit Brathering, was Luthers Leibspeise gewesen sein soll. Auf alle Fälle werden sich die Menüs aus jahreszeitlichen Produkten zusammensetzen, die allesamt aus der Region stammen. Das kulinarische Erlebnis steht in diesem Jahr noch insgesamt sechs Mal auf der Speisenkarte. Der nächste Termin ist 21. Juli 2017.

Foto: Goldener Hahn

Für Zungen, die es scharf mögen, hat Frank Schreiber einen ganz speziellen Senf zum Luther-Jahr komponiert.

Auf alle Fälle engagiert sich Frank Schreiber immer wieder gern touristisch für die Reiseregion Elbe-Elster-Land. So ist bei ihm im Restaurant selbstverständlich auch der Luther-Pass erhältlich. Er ist das „offizielle“ Reisedokument im Jahr des Reformationsjubiläums. Das pinkfarbene Heft verbindet Reformationsorte in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Mit dem Luther-Pass gibt es in den acht Orten bei vielen Pass-Paten besondere Angebote.

Luther-Teller in Herzberg (Elster)

Ein weiteres kulinarisches Angebot wartet im nahe gelegenen Herzberg (Elster). Direkt gegenüber der St. Marienkirche, nicht weit entfernt vom ehemaligen Gebäude des Melanchthon-Gymnasiums im Herzen der historischen Altstadt, hat das Luther-Stübchen eröffnet. Hier kann man sich entspannt niederlassen und nach dem Auf- und Abstieg vom Turm der Marienkirche einen Kaffee genießen. Und zwar nicht irgendeinen, sondern Kaffee, der in Herzberg geröstet wurde. Andreas Bintig, Inhaber der „Kleinen Kaffeerösterei“, röstet mit ihn Leidenschaft selbst und kann viel darüber berichten.

Aber Kaffee allein macht noch nicht glücklich. Deshalb unterstützen Christian Graf und Nicole Thinius von der Bäckerei & Café Plätzchen ihn und backen neben ihrem Tagesgeschäft extra leckeres Backwerk und bereichern so das Angebot des Luther-Stübchens.

Foto: Matthias Schäfer

Nach dem Stadtrundgang bietet das „Café Plätzchen“ in Herzberg (Elster) einen schönen Platz zum Ausruhen. In der Sofa-Ecke kann man frisch gebackene Tartes, Quiches und Suppen genießen, die vorwiegend aus Bio-Zutaten und Produkten aus der Region hergestellt wurden.

Am 21. Juli 2017 findet in Herzberg (Elster) außerdem eine kulinarische Stadtführung mit dem Luther-Fachmann Ulf Lehmann statt. Sie beginnt mit einem Cocktail in Kneists Kleinem Restaurant. Anschließend geht es zu den Herzberger Schauplätzen der Reformation wie dem ehemaligen Melanchton-Gymnasium und endet mit einem zünftigen Luther-Teller im Gasthaus von Romy und Ronald Kneist, die seit Oktober 2015 das kleine Restaurant betreiben. Mit einem monatlich wechselndem Gericht aus der Küche von Katharina von Bora, der Frau von Martin Luther, möchten die beiden ihre Gäste überraschen und gleichzeitig eine kulinarische Zeitreise ins Mittelalter unternehmen.

Foto: Stephanie Kammer

Luther kulinarisch: Bei Romy und Ronald Kneist gibt es in diesem Jahr den Luther-Teller. Sie betreiben seit Oktober 2015 „Kneists kleines Restaurant“ in Herzberg (Elster).

Gerichte wie zu Luthers Zeiten gibt es auch im Gasthof „Zum Kronprinz“ in Mühlberg. Wer mit knurrendem Magen auf Wanderschaft durch die Stadt an der Elbe ist, wird im „Gasthof zum Kronprinz“ fündig. So steht hier im Reformationsjahr ein spezielles Luther-Menü auf der Speisenkarte. Besitzer des Luther-Pass‘ bekommen übrigens zusätzlich ein alkoholfreies Getränk gratis. Und wer wissen will, worüber Martin Luther einst bei Tisch gesprochen hat, besucht am 2. Juli 2017 die Dorfkirche in Garrey im Fläming. Dort wird es bei Wein und Fladenbrot eine Lesung mit Pfarrer Daniel Geißler geben. Die dortige Feldsteinkirche wurde übrigens aufwändig saniert und ist heute Zentrum des Ortes.

Weitere Ausflugstipps zum Luther-Jahr:
www.reiseland-brandenburg.de/reformation

Noch mehr Informationen zum 500-jährigen Reformationsjubiläum im aktuellen Magazin der Tourismus-Marketing Brandenburg, das hier zum Herunterladen bereit steht.

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Martin Luther kulinarisch

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Café Plätzchen Herzberg (Elster): 51.691012, 13.230815
Kneists kleines Restaurant Herzberg (Elster): 51.691978, 13.233847
Goldener Hahn Finsterwalde: 51.635873, 13.709071
Rathausbräu Fürstenwalde (Spree): 52.358570, 14.063570
Zum Kronprinz Mühlberg (Elbe): 51.434403, 13.221322
Dorfkirche Garrey: 52.021189, 12.662862

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