Prignitz: Naturerlebnis am großen Strom

Die Elbe bei Lenzen. Foto: TMB-Fotoarchiv/Dieter Damschen

Im beschaulichen Dorf Rühstädt in der Prignitz ist die Welt noch in Ordnung. Majestätisch gleitet ein Weißstorch über die Dächer und steuert das Nest an. Kleine rote Schnäbel strecken sich ihm entgegen und klappern aufgeregt, wenn Papa Storch Nahrung bringt. In der Ferne kräht ein Hahn.


Im „Europäischen Storchendorf“ Rühstädt fühlt sich Meister Adebar seit Anfang der 70er Jahre wohl. Das liegt nicht nur an dem guten Nahrungsangebot in den Armen der Elbe, an den Tümpeln und auf den Wiesen. „Wir haben damals als Erste Reisigbündel auf Scheunen und Hausdächer gelegt“, erinnert sich Ulrich Blum, Chef des hiesigen Storchenclubs, der uns beim „Storchenfeierabend“ durch den Ort führt. „Die Störche nahmen die Hilfe an und bauten auf dem Reisig ihre Horste.“ Das muss sich bei Meister Adebar schnell herumgesprochen haben. Bis zu 44 Nester sind in dem 260 Seelen-Ort jeweils von März bis August besetzt.

Weißstorch in der Elbe. Foto: TMB-Fotoarchiv/Dieter Damschen

Kein ungewöhnlicher Anblick in der Prignitz: ein Weißstorch in der Elbe. Foto: TMB-Fotoarchiv/Dieter Damschen

Die 50 Kilometer bis zur Burg Lenzen, unserer nächsten Reisestation, legen wir gemütlich auf dem Elberadweg zurück. Malerisch erhebt sich Burg mit ihrem markanten Turm über die brandenburgische Elbtalaue. Beiderseits der deutsch-deutschen Grenze war die Elbaue lange nicht zugänglich. Hier überlebten seltene Tier- und Pflanzenarten, und die weiten Auen blieben unzerstört. Auf Burg Lenzen kann man Ranger-Touren buchen und im Biohotel bequem nächtigen. Es duftet nach Wiesen, Störche suchen nach Fröschen und Schafe grasen am Wegesrand.

Geheimtipp im Nordwesten

Ganz in der Nähe liegt einer der schönsten Kranichbeobachtungs-Schauplätze der Region, das Rambower Moor. Breite Schilfzonen umsäumen die Seefläche. Es geht vorbei an Brenndolde, Wollgras und dem breitblättrigen Knabenkraut. Später lauschen wir dem Frühjahrskonzert der Frösche – als plötzlich ein besonders tiefes Unken erschallt. Tatsächlich! Die Rotbauchunke – der „Wappenlurch der Elbtalaue“.

Rambower Moor

Sonnenuntergang über dem Rambower Moor. Foto: TMB-Fotoarchiv/Zibell

Das Rambower Moor ist nur eines von 23 ausgeschilderten „Haltepunkten Natur“, die zum Entspannen, Beobachten und Staunen einladen. Sie sind am besten per Fahrrad zu erreichen.
Wer dem Elbdeich Richtung Dömitz folgt erlebt die Schönheit der „Wische-Dörfer“. Reetgedeckte Häuser wechseln sich ab mit wunderbaren Landgasthöfen wie der „Alte Hof am Elbdeich“ in Unbesandten, der unsere Gaumen mit ayurvedischen Speisen verwöhnt oder dem Restaurant Alte Fischerkate in Mödlich. Hier rücken die kleinen Gehöfte, die alten Auenbäume und der mächtige Fluss besonders eng und beeindruckend fürs Gruppenbild zusammen. Und als hätte er es geahnt, schaut zum Abschied auch noch einmal unser Freund, der Weißstorch, vorbei.

Weitere Infos: Die Elbe ist einer der letzten naturnahen Flüsse Mitteleuropas. Entlang von 400 Flusskilometern in fünf Bundesländern erstreckt sich das UNESCO- Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. Das Besucherzentrum Burg Lenzen ist das nördliche Eingangstor zur Region. In der Ausstellung „Flusslandschaft am Grünen Band“ werden die vielfältigen Aspekte der regionalen Natur- und Kulturgeschichte mit allen Sinnen erlebbar. Mehr im Internet unter www.burg-lenzen.de und www.dieprignitz.de

Knotenpunktwegweiser in der Prignitz Foto: TMB-Fotoarchiv/Zibell

Mit den Knotenpunktwegweisern ganz individuell die Prignitz entdecken. Foto: TMB-Fotoarchiv/Zibell

Die Prignitz mit dem Rad entdecken
Der bekannteste Radweg ist der 900 Kilometer lange Elberadweg, der beliebtesten Radfernweg Deutschlands . Aber es gibt auch viele regionale Radrouten, wie die 27 Kilometer lange Tour „Treffpunkt Adebar“. Das Prignitzer Radwegenetz ist hervorragend ausgebaut. Für die individuelle Tourenplanung ist die Wegweisung nach Knotenpunkten geeignet. Rund 1.000 km des Radwegenetzes sind darüber ausgeschildert. Tourenvorschläge unter www.dieprignitz.de/regionaltouren