Brandenburg: Mit dem Fahrrad durch den Süden – Teil 2

Das Kloster Zinna. Foto: Erik Doffek

Das Kloster Zinna. Foto: Erik Doffek

Immer noch sind die Neuen Bundesländer vielen radelnden „Wessis“ ziemlich unbekannt, leider. Es gibt eine Vielzahl von neu angelegten Radwegen. Das Versinken im Sand und das Geholpere auf Plattenwegen gehören weitgehend der Vergangenheit an. Seit 2007 ist der Fernradweg „Tour Brandenburg“fertig gestellt. Nach einem Test des nördlichen Abschnitts der 1111-Kilometer-Route hat sich Autor Erik Doffek den Süden vorgenommen. Seine Eindrücke schildert er in zwei Beiträgen in unserem Blog Reiseland Brandenburg.

Durch Brandenburg auf dem Fläming Skate

Danach wird die Tour besonders angenehm. Man radelt auf einer der Fläming-Skate-Routen. Insgesamt sind es 210 Kilometer: ein schmales, „gebügeltes“ Teerband, originell gestaltete Unterstellmöglichkeiten und natürlich Skater in ganzen Schwärmen, in friedlicher Symbiose mit den Radlern. An einem Kleinbus mit tschechischen Kennzeichen schnallt eine Gruppe ihre Knie- und Ellbogenschoner an, die jungen Leute haben wegen der traumhaften Bedingungen die weite Reise nicht gescheut. Daneben ruhen sich gerade vier abgekämpfte Schweden aus. Sie führen zum Skaten nur noch hierher in den Fläming, inzwischen zum vierten Mal, versichert mir einer von ihnen, es gebe in Europa für sie keine besseren Bedingungen für ihren Sport. Am Marktplatz von Luckenwalde treffe ich ein Pärchen mit Tandem, das die sanften Steigungen der Skate-Route fernab von jedem Verkehr zum Eingewöhnen gewählt hat. Wir tauschen in der schattigen Fußgängerzone bei Eis und Kaffee Erfahrungen aus, danach geht es zu den mittelalterlichen Bauwerken, Marktturm und Kirche St. Johannis. Bleiben wir gleich im Mittelalter.

Davon gibt es in Jüterbog genug zu sehen: kurz vor der Stadt das Kloster Zinna, heute Museum, und dann in Jüterbog selbst die alte Stadtmauer mit den eindrucksvollen Türmen und dem Dammtor. Auch hier habe ich wieder eine kundige Führung. Anja von der Stadtverwaltung zeigt mir per Rad besonders malerische Winkel. An einem der Türme hat man einen kleinen, dicken Mönch aus Holz platziert, den Ablassprediger Tetzel. In speziellen Kästen wurde das Geld für den Petersdom gesammelt, auch Jüterbog hat einen davon. Dafür kam dann der Spender eher in den Himmel, glaubte man. „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“, soll der Spruch des Mönchs gewesen sein. Selbst hat er aber ein nicht gerade frommes Leben geführt und war weltlichen Genüssen jeglicher Art sehr zugeneigt, gelinde ausgedrückt. Letztendlich war wohl auch das Treiben des Mönchs in Jüterbog der Anlass zum Thesenanschlag Luthers in Wittenberg. Angenehmere Erinnerungen verbinden sich sicher mit der „Hochzeitsmühle“ südlich von Jüterbog in Dennewitz. Mit ihren Flügeln und dem Rosenbogen am Eingang ist sie die perfekte Kulisse für eindrucksvolle Hochzeitsfotos.

Das arme Sabinchen

Auf Treuenbrietzen bin ich schon gespannt und fahre gleich zum Sabinchenbrunnen. Wer kennt nicht die traurige Moritat vom „Frauenzimmer“ Sabinchen, das ein übler Schuster aus Treuenbrietzen zum Diebstahl verleitete und dann umbrachte. „Da nahm der Schuster sein Schustermesser und schnitt ihr ab den Schlund“. Bisher kannte ich ja das Städtchen nur im Zusammenhang mit dem Liedtext. Wieder einmal staune ich über die vorbildlich renovierte Altstadt und eine Backsteinkirche mit besonders schönem, weiß abgesetztem Ziergiebel. Einsam geht es danach durch ausgedehnte Wälder, auf kurzen Abschnitten noch richtig nostalgisch auf Sand neben Pflastersteinen.

Beim letzten Abschnitt meiner Tour kann ich mir Zeit lassen. Muße für einen Erfahrungsaustausch mit einer dänischen Familie, die gerade an einem schattigen Platz im Wald picknickt. Sie hat ähnlich viel Gepäck dabei wie der junge Mann am Vortag, aber sie fährt mit modernen Rädern, und die schwere Campingausrüstung füllt einen Radanhänger. Vor Brandenburg hält

Das Kloster Lehnin am Ende der Tour. Foto: Erik Doffek

Das Kloster Lehnin am Ende der Tour. Foto: Erik Doffek

mich nur noch ein einziges architektonisches „Muss“ auf, das Kloster Lehnin, eine Pracht in Backstein mit gepflegtem Klostergarten, eine ideale Kulisse für die berühmten Sommerkonzerte. Brandenburg an der Havel mit seinen ausgedehnten Fußgängerbereichen habe ich noch von meiner ersten Tour in guter Erinnerung. Zeit, um Abschied zu nehmen, natürlich auch vom sieben Meter hohen steinernen Roland am Rathaus. Vor der Heimfahrt ist sogar noch eine kleine Runde durch das sommerliche Berlin möglich. Wieder einmal bin ich, wie so oft in den Neuen Bundesländern, von der neuen Radroute begeistert.

In den Ausbau der Wege wurde eine Menge Geld investiert. Es ist wirklich schade, dass das Angebot so wenig genutzt wird, während sich auf den altbekannten Strecken in der Hochsaison die Radlermassen drängeln.

Lesen Sie hier den ersten Teil der „Tour Brandenburg“.

Strecke: Insgesamt etwa 550 Kilometer

An- und Abfahrt: Von Berlin aus Weiterfahrt nach Eberswalde und Rückfahrt von Brandenburg an der Havel mit dem Regionalexpress.

Zeit: 20. 7. bis 27. 7. 2010

Etappen

1. Eberswalde – Strausberg, 75 km, Ü: Gasthof Strausberg Nord, www.gasthof-strausberg-nord.de, DZ/ÜF: 88 €

2.Strausberg – Beeskow, 72 km, Ü: Bootshaus Beeskow, www.ruderklub-beeskow.de, DZ/ÜF: 50 €

3. Beeskow – Cottbus, 77 km¸ Ü: City Hotel Cottbus, www.cityhotelcottbus.de, DZ/ÜF: 60 €

4. Cottbus-Senftenberg, 68 km, Ü: Strandhotel Senftenberger See, www.strandhotel-see.de, DZ/ÜF: 98 €

5. Senftenberg – Herzberg, 80 km, Ü: Gasthaus und Pension Wolfsschlucht, Tel. 03535/5188, DZ/ÜF: 55 €

6. Herzberg – Jüterbog, 96 km, Ü: Hotel Zum Goldenen Stern, www.hotel-goldener-stern.de, DZ/ÜF: 60 bis 90 €

7. Jüterbog – Belzig, 80 km, Ü: Springbachmühle (außerhalb), www.springbachmuehle.de, DZ/ÜF: 90 €

8. Belzig – Brandenburg, 65 km, Heimfahrt

Die Übernachtungen wurden willkürlich ausgesucht. Man kann das ausführliche Übernachtungsverzeichnis „Ankommen Marke Brandenburg“ über www.reiseland-brandenburg.de bestellen.

Kontaktadressen

www.reiseland-brandenburg.de, speziell für Radfahrer: www.radeln-in-brandenburg.de

Hier die Tour als GPX-Datei.

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Brandenburg Mit dem Fahrrad durch den Sueden_Teil 2: 52.307639, 12.665863