Getreu der alten touristischen Binsenweisheit, wonach man nur das sehe, was man auch weiß, entschied ich mich kürzlich zu einem Waldspaziergang mit einem Audioguide. Das Vorhaben klang zwar etwas merkwürdig, weil die kleinen elektronischen Führer doch eher aus dem Museum oder aus Kunstausstellungen bekannt waren. Aber warum sollte das eigentlich nicht im Wald funktionieren? Die einzelnen Bäume, Sträucher und Farne kann doch ohnehin kein Laie auseinander halten. Außerdem steigerten die Hinweise auf die bundesweite Einmaligkeit dieses Angebotes sowie die Besonderheit des betreffenden Waldstückes die Neugierde.
Die Fahrt führte über Fürstenwalde und Bad Saarow bis ins kleine Dorf Sauen, dessen Namen so viel wie „von Eulen bewohnt“ bedeutet. Im gerade 100 Einwohner zählendem Ort fielen zunächst die viele jungen Leute auf. Das Rätsel blieb nicht lange ungelöst. Kunststudenten aus Berlin-Weißensee können sich hier rund um das Gutshaus von der Natur inspirieren lassen und hinterlassen eigene Kunstwerke in der Landschaft.
Die Ausleihe des Audioguides geschah problemlos im „Papphaus“, das das Infozentrum der August-Bier-Stiftung beherbergt. Immer wieder tauchte dabei der Namen August Bier auf. Der Chirurg aus Berlin hatte 1912 ein 630 Hektar großes Waldstück und nach seiner Lebensmaxime „Die Gegensätze fügen sich zur Harmonie“ umgestaltet. Einzelheiten verriet der elektronische Begleiter. Revierförsterin Monique Müller hatte die Idee dafür, um sich selbst die Arbeit etwas zu erleichtern. Denn die Anfragen zu Führungen überstiegen irgendwann ihre Möglichkeiten.
Frohen Mutes begann die rund drei Kilometer lange Wanderung. Ziffern auf Findlingen am Wegesrand signalisierten das Drücken der entsprechenden Nummern am Gerät. Schnell war der passende Sitzplatz gefunden, um den Informationen aus dem Hörer zu lauschen. Da ging es um den Sinn der Kombination aus Nadel- und Laubbaum, über Geschichten von Tief- und Flachwurzlern, von Humusbildnern und Humuszehrern sowie dem richtigen Abstand zwischen Baum und Sträuchern. 460 verschiedene Gehölze, darunter allein 17 Tannenarten, finden sich im Sauener Wald. Auf dem Weg lag auch die Grabstätte des 1949 verstorbenen Professors, der nicht nur die Rückenmarknarkose, sondern auch den Stahlhelm für die Wehrmacht erfand. Wer will, kann auf dem kleinen Gerät auch eine Förster-Version einstellen.
Am Ende gab ich den Audioguide mit Dankbarkeit zurück. Der Ausflug hatte sich wirklich gelohnt und wäre ohne den elektronischen Führer nur halb so lehrreich gewesen.
Weitere Informationen unter www.stiftung-august-bier.de
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