500 Jahre Reformation: Was Sie bestimmt noch nicht wussten!

Besucher mit Luther Pass in Herzberg, Foto: Landkreis Elbe-Elster/Andreas Franke

Gänzlich unbescheiden lässt sich behaupten, dass Brandenburg für die Reformation eine nicht unwesentliche Rolle gespielt hat. Einige wichtige Ereignisse fanden hier statt, auch wenn es damals noch kein Brandenburg gab. 

Warum die Spanier 1547 bei Mühlberg durch die Elbe schwammen?

Die Schlacht von Mühlberg kennt in Spanien heute jedes Schulkind. Wer hierzulande nach dem Schmalkaldischen Bund fragt, erntet wahrscheinlich Achselzucken. Also, 1547 fand in Mühlberg an der Elbe die Entscheidungsschlacht des Schmalkaldischen Krieges statt. Die katholischen Truppen, angeführt von Kaiser Karl V. (ein Spanier!) besiegten den protestantischen Schmalkaldischen Bund. Das Museum 1547 in Mühlberg erzählt die Geschichte der Schlacht. Tipp: Nach dem Museum auch das Kloster Marienstern anschauen.

Der Luther Pass führt auch nach Mühlberg/Elbe und das Museum "1547". Foto: Andreas Franke/Landkreis Elbe-Elster

Der Luther Pass führt auch nach Mühlberg/Elbe und das Museum „Mühlberg 1547“. Foto: Andreas Franke/Landkreis Elbe-Elster

Wie die Geburtsstunde der protestantischen Kantorei in Deutschland schlug?

Mit der Reformation zog auch die Musik in die Kirchen ein. Die Kantoreien bereiteten damals den Weg für die heutigen Kirchenchöre. Das Sänger- und Kaufmannsmuseum in Finsterwalde erzählt in einer Sonderausstellung die Geschichte der protestantischen Kantoreien. Übrigens ist Finsterwalde die einzige Sängerstadt in Deutschland. Tipp: Nach dem Museumsbesuch in das Restaurant „Goldener Hahn“, dem besten in der Region, zum essen gehen. Matthias Schreiber kocht hier schon seit 20 Jahren und hat im Reformationsjahr ein paar Spezialitäten auf der Speisekarte, die auch dem Reformator geschmeckt hätten.

In der St. Trinitatiskirche in Finsterwalde. Foto: Andreas Franke/Landkreis Elbe-Elster.

In der St. Trinitatiskirche in Finsterwalde. Foto: Andreas Franke/Landkreis Elbe-Elster

Der Luther Pass

Er ist das „offizielle“ Reisedokument im Reformationsjahr: der Luther Pass. Das pinkfarbene Heft verbindet Orte der Reformation in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Mit dem Luther Pass lassen sich im Reformationsjahr erstaunliche Geschichten aus der Reformationszeit erfahren. In den acht Orten gibt es bei vielen Pass Paten besondere Angebote. Also auf den Sticker „Pass Pate“ achten. Fleißige Stempelsammler können in den Genuss eines Spurensucher-Bonus kommen, wenn sie an einer Verlosung teilnehmen. Und bereits jetzt steht fest, dass der Luther Pass auch 2018 gültig sein wird und zu Entdeckungen in den Reformationsorten einlädt! Mehr auf www.luther-pass.de

Wo fand der erste evangelische Gottesdienst statt?

Erst Luthers Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache ermöglichte es den Menschen ohne Vermittlung der Kirche ihren eigenen Glauben zu leben. Der erste evangelische Gottesdienst fand fünf Jahre nach dem Thesenanschlag in Herzberg (Elster) statt. Die Reformation krempelte auch das Schulwesen um. Bildung für alle hieß es nun. Viele Schulen wurden neu gegründet. In der kleinen Stadt unterzeichneten Martin Luther und Philipp Melanchthon eine der ersten Schulordnungen. Das Gymnasium in Herzberg trägt heute den Namen Melanchthons. Tipp: In Herzberg gibt auch einen Botanischen Garten!

Kirche St. Marien in Herzberg

Hier fand der erste evangelische Gottesdienst statt: Kirche St. Marien in Herzberg.

Was passierte mit den Klöstern in Brandenburg passierte?

Für die Mönche bedeutete die Reformation einen Neuanfang – wenn auch einen unfreiwilligen. Luther befand, dass die Bibel keine Mönche vorsähe. Viele Klöster lösten sich auf. Auch das mächtige Kloster Dobrilugk. Dessen Zisterziensermönche fanden sich später als evangelische Pfarrer oder Pensionäre in einem verfallen Kloster wieder. Das Museum im Schloss Doberlug illustriert die Geschichte der letzten Dobrilugker Mönche. Tipp: Besuchen Sie auch das europaweit einzigartige Weißgerbermuseum und machen sie auch einen Abstecher in den wunderbaren Schlosspark von Uebigau!

Die Mönche von Dobrilugk mussten während der Reformation ihr Kloster verlassen. Foto: Andreas Franke/Landkreis Elbe-Elster

Die Mönche von Dobrilugk mussten während der Reformation ihr Kloster verlassen. Foto: Andreas Franke/Landkreis Elbe-Elster

Warum gilt Jüterbog als „Stadt des Anstoßes“ für die Reformation?

Zum Schluss ein Abstecher in den Fläming: Johann Tetzel schürte 1517 mit seinen Predigten bei den Menschen die Angst vor dem Fegefeuer und für den Ablass. Das Treiben des „Bad Boy der Reformation“ brachte Martin Luther auf die Palme und dazu, seine Thesen zu verfassen. Ob er sie tatsächlich an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg nagelte, wissen wir ja nicht mit absoluter Sicherheit. Im Mönchenkloster in Jüterbog sind originale Ablassbriefe aus dieser Zeit ausgestellt. Der berühmte Fegefeuer-Altar aus der Nikolaikirche ist im Reformationsjahr ebenfalls im Mönchenkloster zu sehen. Tipp: Zum Mysterienspiel in der Nikolaikirche im September und Oktober nach Jüterbog fahren oder auf dem Luther-Tetzel-Weg eine Reihe von wunderbaren kleinen Dorfkirchen entdecken.

Diese Ablassbriefe brachten Martin Luther auf die Palme und setzen die Reformation in Gang.

Diese Ablassbriefe brachten Martin Luther auf die Palme und setzen die Reformation in Gang.

Information: Mehr zu 500 Jahre Reformation und den Veranstaltungen und Angeboten in Brandenburg auf www.reiseland-brandenburg.de/reformation