Es muht und grunzt im Kloster Chorin

Foto: Matthias Schäfer

Mehrmals im Jahr ist das Kloster Chorin Schauplatz für zahlreiche Feste wie beispielsweise den Ostertagen im Frühjahr sowie Kräuter- und Töpfertagen im Herbst. (Foto: Matthias Schäfer)

Das ehemalige Zisterzienserkloster in Chorin gehört zu den bedeutendsten Baudenkmalen der frühen Backsteingotik in Brandenburg. Wegen seiner faszinierenden Architektur, inmitten der wald- und seenreichen Region des UNESCO-Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin zählt das Bauwerk zu den beliebtesten Ausflugszielen im Land. 

Ein lautes Muhen tönt durch den Raum, dazwischen mischt sich das Grunzen von Schweinen. Mit diesen ungewöhnlichen Geräuschen, die aus Lautsprechern kommen, werden Besucherinnen und Besucher der neuen Dauerausstellung im Kloster Chorin begrüßt. Allerdings wird Vieh im ehemaligen Brauhaus schon lange nicht mehr gehalten.

„Schönster Schmuck des Landes“

Das war vor 200 Jahren allerdings noch ganz anders, als Baumeister Karl Friedrich Schinkel die Gebäude erstmalig besichtigte. Dieser Umstand veranlasste ihn im Jahr 1817 dazu, ein offizielles Schreiben an das preußische Finanzministerium zu schicken. In diesem Brief erklärte er das ehemalige Kloster Chorin zum nationalen Kulturdenkmal. Für ihn galt die Anlage schon damals als der „schönste Schmuck des Landes“.

Das war der Beginn der Denkmalpflege und der Start der Restaurierung des Bauwerks, das bis dahin zwischenzeitlich sogar als Steinbruch herhalten musste. So entstand dort damals durch den Abbruch von Ziegelsteinen mehr Schaden als durch Kriege oder Brände.

Foto: Matthias Schäfer

Der ehemalige Vorratsraum der Mönche im Kloster Chorin, das so genannte Cellularium, ist mit der neuen Dauerausstellung erstmalig für Besucherinnen und Besucher zugänglich.

Foto: Matthias Schäfer

Foto: Matthias SchäferSchinkels Vorliebe fürs Kloster Chorin

Schinkels Engagement für den Erhalt des früheren Klosters bildet deshalb auch einen Schwerpunkt der neuen Dauerausstellung. So sind hier beispielsweise 28 Skizzen von ihm zu sehen, die den Zustand der Anlage Anfang des 19. Jahrhunderts dokumentieren. Darüber hinaus bietet eine Medienstation im ehemaligen Brauhaus Einblicke in die Baugeschichte, aber ebenso in die mittelalterliche Klosterwirtschaft.

Um die neue Dauerausstellung zeigen zu können, wurden eigens Teile des Klosters erschlossen, die bislang nicht zugänglich waren. Beispielsweise das Cellarium, der einstige Vorratsraum der Mönche. Hier ist unter anderem ein hinterleuchtetes Modell der gesamten Klosteranlage zu sehen.

Außerdem gibt es eine große Karte mit Lichteffekten: Auf dieser können Besucherinnen und Besucher per Knopfdruck alle Dörfer, Höfe und Ländereien aufleuchten lassen, die einst dem Kloster gehörten. Erkennbar wird dabei, welchen Einfluss die Choriner Zisterzienser auf das Baugeschehen der Region damals hatten. So hatten einst Choriner Ziegler ebenso das schönste Schmuckwerk an der Eberswalder Stadtkirche geschaffen.

Foto: Matthias Schäfer

Die Geschichte des Klosterbaus in Chorin wird mit einem weiß hinterleuchteten Modell stimmungsvoll in Szene gesetzt.

ARD dreht Märchenfilm in Chorin

Mit jährlich rund 100.000 Besucherinnen und Besuchern gehört das Kloster Chorin inzwischen zu den bedeutsamsten kulturellen Anziehungspunkten im Land Brandenburg. Kein Wunder, schließlich zählt das ehemalige Zisterzienserkloster zu den wichtigsten Denkmäler der norddeutschen Backsteingotik.

Auch über die Grenzen Brandenburgs hinaus ist das Gebäude immer häufiger zu sehen. Zum Beispiel in Filmen und Fernsehserien. So entstanden zuletzt im Juli 2016 Teile des Märchensfilms „Das singende, klingende Bäumchen“ nach Motiven der Brüder Grimm für eine ARD-Neuverfilmung. Einzelne Szenen sind im Kirchenschiff sowie auf der Klosterwiese entstanden.

TMB-Fotoarchiv / Steffen Lehmann

Das Klostercafé auf dem Gelände des Kloster Chorin, das vom Ökodorf Brodowin betrieben wird, verwöhnt seine Besucher mit Suppen, Kuchen und Eis.

Honig-Braten in der Immenstube

Neben den kulturellen Höhepunkten wartet ganz in der Nähe, auf der anderen Seite des Amtssees, ein kulinarisches. Das Besondere im dortigen Hotel Chorin ist das Honig-Restaurant. Die „Immenstube“ ist Deutschlands erstes Honig-Spezialitäten-Restaurant. Hier werden alle Gerichte mit Honig zubereitet. Zum Beispiel „Wildpfeffer nach Imkerart“, „Honigmarinierter Schinkenbraten“ oder „Leber-Blutwurst mit Tannenhonig“.

Wer den Ausflug nach dem Mittagessen noch etwas ausdehnen möchte, besucht das in der Nähe liegende Brodowin – das Dorf der sieben Seen. Der flächenmäßig größte ist hier der Parsteiner See, an den es an warmen Tagen viele Gäste zum Baden oder einfach in der Sonne liegen lockt. Einige der dortigen Badestellen sind allerdings nur zu Fuß und mit dem Rad, aber nicht mit dem Auto erreichbar.

Foto: Ökodorf Brodowin

Immer den Kühen nach: Das Ökodorf Brodowin im UNESCO Bioshärenreservat Schorfheide-Chorin setzt neben Milchkühen, auf Hühner und Gemüseanbau.

Natürlich sollte auch ein Besuch im Ökodorf selbst nicht fehlen – am besten mit der ganzen Familie. Dann können alle einmal richtig ins Landleben eintauchen und den Kühen beim Grasen auf der Wiese zusehen oder ihnen im Stall ganz nahe sein. Außerdem kann man hier sehen, wie aus frischer Milch die verschiedenen Produkte hergestellt werden, die im eigenen Hofladen probiert und gekauft werden können.

Schöne Aussichten in Niederfinow

Aber das UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin hat noch viel mehr zu bieten. Nicht weit entfernt von hier liegt das Schiffshebewerk Niederfinow – ein technisches Denkmal, das jedes Jahr viele Tausend Touristen in die Region lockt. An dieser Stelle müssen Schiffe 36 Höhenmeter überwinden, um weiter in Richtung Oder fahren zu können. Wer einfach mal die Aussicht ins Oderbruch genießen möchte, kann die Plattform erklimmen oder sich per Boot mit dem Schiffsaufzug nach oben heben lassen.

Foto: Matthias Schäfer

Ganz in der Nähe von Chorin: Das Schiffshebewerk Niederfinow ist ein technisches Denkmal, mit dessen Hilfe Schiffe auf dem Oder-Havel-Kanal 36 Höhenmeter überwinden können.

Anfahrt:
Stündlich hält der Regionalexpress RE 3 von Berlin-Hauptbahnhof kommend am Bahnhof Chorin. Wer eine kleine Stärkung sucht, ist im Bio-Bistro Lindenblatt bestens aufgehoben, das an Wochenenden von 12 bis 19 Uhr geöffnet hat und direkt im Bahnhofsgebäude zu finden ist. Von dort geht es anschließend in rund 20 Minuten zu Fuß durch den Wald, vorbei am malerisch gelegenen Amtssee, zum Kloster.

Mit dem Auto erreicht man das Kloster über die Autobahn A11 Berlin-Stettin, Abfahrt Chorin-Joachimsthal, dann etwa 12 Kilometer über die Landstraße L 23 und Bundesstraße B 2 in Richtung Chorin.

Öffnungszeiten und Eintritt:
täglich geöffnet von 9 bis 18 Uhr (April bis Oktober), Erwachsene 6 Euro, ermäßigt 3,50 Euro, Kinder ab 7 Jahren 3,50 Euro, die neue Dauerausstellung ist größenteils stufenfrei über Rampen erreichbar.

Weitere Informationen:
Amt Chorin 11a, 16230 Chorin, Anmeldung für Führungen (auch auf Englisch):
Telefon 033366. 70377, www.kloster-chorin.org

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Kloster Chorin 52.892716, 13.884042 Das ehemalige Zisterzienserkloster in Chorin gehört zu den bedeutendsten Baudenkmalen der frühen Backsteingotik in Brandenburg. Wegen seiner faszinierenden Architektur, inmitten der wald- und seenreichen Region des UNESCO-Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin zählt das Bauwerk zu den beliebtesten Ausflugszielen im Land. Und seit April wird das Kloster um eine neue Dauerausstellung bereichert. Weiterlesen...Kloster Chorin, Amt Chorin, Chorin, Deutschland (Routenplaner)