Wladimir Kaminer ackert in Brandenburg

Foto © Urban Zintel

Gedanklich schon wieder in seinem Garten in Brandenburg: Autor Wladimir Kaminer (Foto © Urban Zintel)

Die meisten Gärten dürften noch im Winterschlaf sein. Wer an sein grünes Paradies vom Vorjahr denkt, sieht momentan nur welkes Laub, herabgefallene Nadeln und einen platt gedrückten Rasen. Doch wer schon jetzt ein paar Anregungen für die nächste Saison braucht, findet Rat bei Wladimir Kaminer.

Der Popliterat aus Berlin hat inzwischen einen eigenen Garten in Brandenburg und macht so seine ganz speziellen Erfahrungen auf seinem Grundstück bei Neuruppin. Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Kaminer sind Sie schon ungeduldig, bis die Zeit im Garten wieder losgeht?

Ja, besonders meine Frau – sie liebt den Garten. Dann kann sie sich hier wieder austoben und Blumen sowie Gemüse an vielen verschiedenen Stellen pflanzen. Nur Kartoffeln gibt es bei uns nicht.

Wann waren Sie zuletzt in Ihrem Garten in Brandenburg?

Wir sind fast jedes Wochenende draußen – auch im Winter. Besonders häufig waren wir vergangenen Herbst hier, wegen der vielen Pilze, die bis Mitte November sprießten. Unsere netten Nachbarn haben uns verraten, wo man die schönsten in der Gegend findet. Und wir haben sehr viele gegessen, weil sie alle so schön aussahen. Und wie Sie hören, hat es uns nicht geschadet. Wir leben noch und freuen uns schon auf die nächste Saison.

Wladimir Kaminer Foto © Christian Thiel

Wladimir Kaminer mit Harke in der Hand. Nun mischt er die Brandenburger Erde auf. Foto: © Christian Thiel

Was machen Sie am liebsten, wenn Sie dort sind?

Ich mag besonders den Blick auf unseren See, der zurzeit noch zugefroren ist. Dann schaue ich den Gänsen hinterher, die über unser Grundstück fliegen, während ich auf der Veranda sitze. Oder wir spielen Schach. Meistens kommen dann noch die fünf Katzen bei uns vorbei, die sich darüber freuen, dass wir am Wochenende wieder bei ihnen wohnen.

Woher kam der Wunsch nach einem Garten in Brandenburg?

Wir wollten schon sehr lange einen Garten haben. Schließlich fanden wir einen Schrebergarten in Berlin. Doch schon bald hatten wir Probleme mit spontaner Vegetation. Und dann kam noch die Prüfungskommission bei uns vorbei und sagte, dass unser Garten so gar nicht ihren Vorstellungen entsprach. Daher haben wir uns neues Grundstück gesucht und eines 70 Kilometer nördlich von Berlin gefunden. Hier kann nun jeder von uns spontan vegetieren.

Sie haben die Brandenburger nun schon eine Weile beobachten können…

…und ich finde sie sehr nett die Brandenburger, weil sie so wild leben. Natürlich gibt es diese Vorurteile, dass sie zurückhaltend seien und grimmig schauen würden. Aber das sagt man auch von uns Russen. Ich weiß daher, wie man damit umgeht. Mir ist diese nordische Art sehr lieb. Man muss nicht immer so freundlich schauen wie die Kölner. Diese überschwängliche Freundlichkeit kann manchmal auch aggressiv sein. Es kommt doch auf die ehrliche innere Einstellung an und die mag ich bei den Brandenburgern sehr.

Wladimir Kaminer Foto © Jan Kopetzky

Viel unterwegs: Wladimir Kaminer hält im Februar zweimal Lesungen in Brandenburg. Foto: © Jan Kopetzky

Wird es auch auf dem Land eine Russendisko geben?

Wir hatten hier im Dorf schon dreimal eine Russendisko veranstaltet. Auch in diesem Jahr ist wieder eine geplant.

Lernen Sie eigentlich auch die Umgebung kennen? 

Ja natürlich – zusammen mit meinem Nachbarn Mathias Scholz entdecke ich die Gegend. Er ist auch zugezogen und kennt sich bestens aus. Zuletzt hatte er mir einen sehr schönen Bauernhof gezeigt. Und dann waren wir noch in einer chinesischen Pagode. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas hier gibt. Das zeigt mir: Brandenburg steckt voller Geheimnisse.

Und wenn Sie mal nicht selber kochen wollen…

…dann besuche ich mein Lieblingsrestaurant in Lindow. Es heißt Klosterblick. Hierher gehe ich gerne hin, weil das Essen sehr gut schmeckt und man von der Terrasse einen weiten Blick über den See hat.

Welche Eindrücke verbinden Sie denn mit dem Thema Wasser und Brandenburg?

Oh ja, da habe ich inzwischen einige schöne Bilder in meinem Kopf. Und es gibt noch so viele Geheimtipps in Brandenburg, die am besten auch geheim bleiben sollten. Sonst kommen ja alle hier her und das wäre auch nicht so schön. Ich habe zum Beispiel ein Boot, mit dem ich gerne auf den vielen Kanälen und Flüssen durch das deutsche Venedig in Brandenburg herumfahre und die Stille genieße. Aber mitunter sind so viele Hausboote auf dem Wasser, dass man meinen könnte, ganz Berlin schwimmt weg.

Vielen Dank für das Gespräch!

Über den Autor
Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren und lebt seit 1990 in Berlin Prenzlauer Berg direkt am Mauerpark. Privat ein Russe, beruflich ein deutscher Schriftsteller, ist er die meiste Zeit unterwegs und hält Vorträge oder liest aus seinen Büchern. Seine Erlebnisse als Landbewohner und Gärtner hat er in seinem neuen Buch „Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten“ aufgeschrieben. Wer ihn einmal live erleben möchte, hat dazu im Februar gleich zweimal in Brandenburg Gelegenheit – und zwar am 22. Februar im Lindenpark in Potsdam sowie am 28. Februar im Bürgerhaus in Neuenhagen bei Berlin.

www.wladimirkaminer.de

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Russendisko

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Lindenpark Potsdam: 52.391640, 13.116720
Bürgerhaus Neuenhagen: 52.521330, 13.704240
Klosterblick Lindow: 52.971000, 12.990270

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