Im Endspurt zur Landesausstellung nach Doberlug

Schloss Doberlug, Foto: Matthias Fricke

Im Schloss Doberlug wird noch bis 2. November die Erste Brandenburgische Landesausstellung "Preußen und Sachsen - Szenen einer Nachbarschaft" gezeigt.

Die letzten vier Wochen für die erste Brandenburgische Landesausstellung im Schloss Doberlug sind angebrochen. Mit der Schau über das besondere Verhältnis zwischen Preußen und Sachsen haben die Ausstellungsmacher offensichtlich den Nerv der Besucher getroffen. Über 70.000 haben sich schon auf den Weg nach Doberlug gemacht.

Szene 1: Prolog

Nur noch knapp vier Wochen ist die Erste Brandenburgische Landesausstellung auf Schloss Doberlug zu besichtigen. Nicht mehr viel Zeit also. Der 3. Oktober verspricht ein schöner Tag zu werden – zu  schön für „Preußen und Sachsen – Szenen einer Nachbarschaft?“ „Da geht es doch sicher nur um Machtspielchen und Kriege“, winkt meine Freundin ab, „und das am Tag der Deutschen Einheit. Lass uns doch woanders hinfahren“. „Eben nicht“, entgegne ich, „zwischen Preußen und Sachsen war viel mehr im Spiel und genau das ist Thema der Ausstellung.“ „Na, gut…“ Überzeugungsarbeit sieht anders aus, deshalb schnell zum Bahnhof und Fakten schaffen.

Eine der beiden Säulen, die das Tor von Doberlug markiert, Foto: Matthias Fricke

Eine der beiden Säulen, die das Tor von Doberlug markiert, im Hintergrund die Giebel von Schloss Doberlug.

Szene 2: Anreise mit der Bahn

Mit der Bahn geht immer was Richtung Doberlug, direkt (RE 3), so rum (RE 5 bis Falkenberg, dann RB 43) oder andersrum (RB 19 bis Calau, dann RB 43). Wir wählen die Option „so rum“ über Falkenberg/Elster, und schon spuckt der Automat das Brandenburg-Berlin-Ticket aus. Schweigend vertiefe ich mich im Zug in mein Sammelsurium aus Flyern und Rezensionen zur Ausstellung, um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Zwei Stunden später. Doberlug-Kirchhain ist ein (derzeit noch) etwas herunter gekommener Kreuzungsbahnhof auf der grünen Wiese. Der Name „Dobrilugk“ ist slawischen Ursprungs und heißt „gute Wiese“. Das hat auch die Bahn erkannt und will Bahnhof und Strecken endlich ausbauen bzw. ist schon dabei. Bald wird hier der Eurocity Richtung Dresden/Prag mit Tempo 200 durchsausen.

Shuttlebus zur Landesausstellung, Foto: Matthias Fricke

Der Shuttlebus der Linie 571 pendelt halbstündlich zwischen Schloss Doberlug und Bahnhof.

Szene 3: Ankunft am Schloss Doberlug

Der niedliche Shuttlebus der Linie 571, der uns am Bahnhofsvorplatz empfängt, ahnt nichts von Tempo 200, pendelt aber zuverlässig alle 30 Minuten zwischen Bahnhof und Schloss. Kafka-Leser wissen, dass es einem nicht immer so leicht gemacht wird, zum Schloss zu kommen… Und so empfängt es uns: als weiß in der goldenen Oktobersonne strahlender Prachtbau der Renaissance. Der erste Eindruck: die Fördermillionen, die in die Sanierung geflossen sind, sind hervorragend angelegt. Und zu allem Überfluss gibt es heute sogar ein Weinfest. Der Anblick des gesamten Areals mit der Klosterkirche und den vielen Menschen in Feierlaune versetzt uns in freudige Erwartung. Es ist 14.30 Uhr.

Weinfest auf dem Klosterareal von Schloss Doberlug, Foto: Matthias Fricke

Weinfest auf dem Klosterareal von Schloss Doberlug

Szene 4: Zum Schnäppchenpreis in die Landesausstellung

Wir sehen uns auf dem Klosterareal um, machen Fotos und entdecken im Innenhof des Schlosses ein längliches Reptil: die Besucherschlange. Wird sie ab 15 Uhr noch viel länger sein? Denn dann ist hier sozusagen „Happy Hour“ und der Besucher gelangt für nur 6 Euro in die Ausstellung. Gegen 15 Uhr kehren wir zurück in den Innenhof und sind verblüfft: die Schlange ist deutlich kürzer als vorhin. Offenbar sind heute wenig Schnäppchenjäger unterwegs, unser Glück! Nicht mehr als ca. 250 Besucher werden ins erste Obergeschoss hinauf gelassen, aus Sicherheitsgründen und mehr Besucher passen auch nicht in die Ausstellungsräume hinein, wenn man noch etwas sehen möchte.

Besucherschlange am frühen Nachmittag im Innenhof von Schloss Doberlug, Foto: Matthias Fricke

Besucherschlange am frühen Nachmittag im Innenhof von Schloss Doberlug

Szene 5: Auf dem Rundgang durch die „7 Szenen einer Nachbarschaft“

Dann stehen auch wir im Halbdunkel der Exponate. Tausendundeine Facette einer Nachbarschaft, ausgestellt in sieben Szenen. Schnell wird klar, es geht um mehr als nur um zwei Provinzen des Heiligen Römischen Reichs. Wir stehen hier sozusagen im damaligen Machtzentrum Mitteleuropas. Die Ausstellung fokussiert einen Zeitraum von etwa 200 Jahren vom 17. bis ins frühe 19. Jahrhundert, als Preußen und Sachsen partnerschaftlich verbunden waren und zu Rivalen wurden. Schon die Kartenausschnitte verdeutlichen die geopolitischen Dimensionen: das unter dem Soldatenkönig erstarkende Preußen, das bis nach Königsberg expandierte und Sachsen unter August dem Starken, dessen Machtsphäre als König von Polen bis an das heutige Weißrussland und Litauen reichte. Königsberg und Warschau waren die Regierungssitze, Berlin und Dresden nur Residenzen. Friedrich II. eroberte Schlesien und schuf damit eine Barriere zwischen Sachsen und Polen.

Goldener Oktober auf Schloss Doberlug, Foto: Matthias Fricke

Goldener Oktober auf Schloss Doberlug, Foto: Matthias Fricke

Szene 6: Wachsende Begeisterung

Aber in der Landesausstellung geht es um viel mehr: Menschliche Beziehungen zwischen beiden Adelsgeschlechtern, Handel, Kultur, Wissenschaften, alles das entwickelte sich vielfach unabhängig von den politischen Machtverhältnissen und bewirkte einen fruchtbaren Austausch. So begründete beispielsweise der Berliner Verleger Nicolai in einem „Joint Venture“, wie man heute sagen würde, mit dem Leipziger Buchhändler Weiße mit der „Bibliothek der schönen Wissenschaften“ die wichtigste Zeitschrift der deutschen Aufklärung. Schulstoff regnet ins Hirn: Zeitalter der Aufklärung, als ob es gestern gewesen wäre. Und dazwischen immer wieder eindrucksvolle Exponate, Königskronen, eine mächtige Dragonervase, ein wuchtiger runder Holztisch vom Wiener Kongress und vieles mehr. Ja, die Sachsen, hätten sie doch Napoleon nicht so lange die Treue gehalten. Dann läge Doberlug heute in Sachsen – „und du hättest ein Quer-durchs-Land-Ticket lösen müssen“, spottet meine Freundin. Unzählige Details und Eindrücke, aber langsam dämmert uns der große Zusammenhang dieser „Beziehungskiste“ zwischen beiden Nachbarn. Unmöglich, alles wiederzugeben, doch wie es sich für eine vorbildliche Ausstellung im Rahmen des Themenjahres von Kulturland Brandenburg gehört, gibt es einen reich bebilderten und vertiefenden Katalog, der zum Schmökern an langen Herbst- und Winterabenden einlädt, wenn die Landesausstellung ihre Pforten längst geschlossen haben wird.

Durchgang zum Innenhof des Schlosses Doberlug, Foto: Matthias Fricke

Beleuchtete Zeitleiste mit den wichtigsten historischen Meilensteinen der Geschichte Preußens und Sachsens im Durchgang zum Innenhof des Schlosses Doberlug.

Szene 7: Epilog

„Der Ausflug hat sich ja mehr als gelohnt“, lächelt meine Freundin am Ende versöhnt. Liegt`s am guten Wetter, dem milden Herbstlicht? Sahnehäubchen ist zweifelsohne der perfekte Ausstellungsservice. Sehr nette und zuvorkommende Mitarbeiter, ausreichend Schließfächer, angenehme Räumlichkeiten. Einziges Manko, sicher nicht nur für die Sehkraft unserer Besucheraugen, sind die im Halbdunkel schwer zu entziffernden Beschriftungen. Deshalb klare Empfehlung für den Audioguide (2 Euro) und den Katalog (25 Euro). Wir jedenfalls wünschen dem Schloss viele weitere Landesausstellungen. Vielleicht legt ja künftig auch der eine oder andere Eurocity in Doberlug mal einen kurzen Stopp ein, dann wäre Berlin nur eine knappe Stunde entfernt.

Mönchsskulptur, Foto: Matthias Fricke

Holzskulptur eines Mönches von „Dobrilugk“, dem altesten Zisterzienserkloster zwischen Elbe und Oder, auf dem Klosterareal von Schloss Doberlug.

Information: Die Erste Brandenburgische Landesausstellung „Preußen und Sachsen – Szenen einer Nachbarschaft“ ist noch bis 2. November 2014 geöffnet. Schloss Doberlug, Schlossplatz 1, 03253 Doberlug-Kirchhain, Öffnungszeiten: Mo- Fr: 10 – 18 Uhr, Sa, So: 10 – 19 Uhr, Internet: http://brandenburgische-landesausstellung.de/

Eintrittspreise: Erwachsene: 9 Euro | erm. 6 Euro; Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre sowie Schüler: frei; Gruppen (ab 10 Personen): 6 Euro pro Person; Nachmittagsticket (gültig ab 15 Uhr): 6 Euro

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Schloss Doberlug 51.609620, 13.545280 Schloßplatz 1, 03253, Doberlug-Kirchhain, Deutschland (Routenplaner)