Steinreiches Brandenburg

Foto: Matthias Schäfer

Steine bis fast an den Horizont: der Findlingspark Henzendorf bei Neuzelle im Seenland Oder-Spree (Foto: Matthias Schäfer)

Beim ersten Anblick kommt man sich vor wie bei Erich van Däniken und fragt sich: Sind hier in vergangener Zeit Außerirdische gelandet? Die Antwort lautet „nein“. Vielmehr geht die Ansammlung von Hunderten von Findlingen ursprünglich auf ein Kunstprojekt zurück. Und dieser Findlingspark bei Henzendorf ist nicht das einzige steinerne Monument in Brandenburg.

Unweit von Neuzelle entfernt liegt der Naturpark Schlaubetal – eine Schatzkammer der Artenvielfalt. Das Herz des Naturparks ist das Schlaubetal selbst, eines der schönsten Bachtäler im Land. Drei Viertel aller in Brandenburg vorkommenden Tier- und Pflanzenarten finden sich dort und einige davon sogar nur in dieser Region. Geformt wurde das Bachtal von den beiden Eiszeiten. Seitdem windet sich die Schlaube wie ein Mittelgebirgsbach durch ein tiefes Kerbtal.

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Tief eingeschnitten hat sich die Schlaube im Laufe der Zeit, wie ein Mittelgebirgsbach.

Riesenfindling in Kobbeln

Die Eiszeit formte aber nicht nur die Landschaft, sondern hinterließ auch mächtige Naturdenkmale – riesige Findlingsblöcke. Der größte in dieser Region ist der „Kobbelner Stein“, ein geologisches Naturdenkmal, das in den Jahren 1921 bis 1925 freigelegt worden ist. Der Koloss in dem kleinen Örtchen Kobbeln, gelegen am Oder-Spree-Radweg, stammt ursprünglich von der Insel Bornholm und misst eine Länge von 7,30 Metern, ist 5,25 Meter breit und 4,52 Meter hoch. Sein Gesamtgewicht wird auf einer nebenstehenden Tafel mit 256 Tonnen angegeben. Einst transportierten urgewaltige Kräfte den Granitstein von der dänischen Insel Bornholm ins heutige Seenland Oder-Spree.

Foto: Matthias Schäfer

7,30 Meter lang, 5,25 Meter breit und 4,52 Meter hoch – das ist der „Kobbelner Stein“ im Naturpark Schlaubetal.

Foto: Matthias Schäfer

Findlingspark Henzendorf

Nicht von der Eiszeit geprägt, sondern von Menschenhand geschaffen, wurde der Findlingspark bei Henzendorf. Auf einer rund vier Hektar großen Fläche wurden bearbeitete und unbearbeitete Findlinge aufgestellt und bilden von weitem betrachtet eine Einheit mit der Natur, als ob sie schon immer hier gewesen sind. Doch ein Ausflug zum Findlingspark mitten in der Henzendorfer Heide ist kein Spaziergang durch die Erdgeschichte. Aber auf alle Fälle ist es ein Trip zu einem malerisch, traumhaften Ort, der am Ende der Welt zu liegen scheint.

Foto: Matthias Schäfer

Das Relief, dass den Vegetationsgott und König Warpulawa zeigt, stammt von einem polnischen Künstler.

Foto: Matthias Schäfer

Die Findlingsparade mitten auf einem weitläufigen Feld hinterlässt einen mythischen Eindruck. Kein Wunder, so gibt es hier germanische und keltische Darstellungen auf den teils riesigen Kolossen. Manche Findlinge sind allerdings erst auf den zweiten Blick zu sehen, weil sie vom hohen Gras teilweise überwuchert sind. „Eigentlich müsste hier alles einmal gemäht werden“, sagt Mario Marschner, Ranger im Naturpark Schlaubetal, der regelmäßig Besucher zu dieser einmaligen Ansammlung von Steinen führt. Doch auch ohne die nötige Maht hat der Findlingspark seinen ganz besonderen Reiz.„Und der Naturpark Schlaubetal hat noch viel mehr zu bieten: So leben hier unter andere rund 200 verschiedene Vogelarten“, erzählt der Ranger.

Foto: Matthias Schäfer

Auf einigen Findlingen sind neben Gottheiten auch Kriegerstatuen abgebildet.

Foto: Matthias Schäfer

Findlinge in Angermünde

Alle Motive auf den Findlingen entsprechen historischen Vorbildern. Daher ist beim Wandeln über das leicht hügelige Gelände eine gewisse Magie zu spüren. Neben Gottheiten und Kriegerstatuen, geflügelten Einhörnern und Drachen steht hier auch eine Sonnenuhr aus 365 Steinen. Darüber hinaus gibt es auf einigen Findlingen geheimnisvolle Malereien mit uralten Schriftzügen, die genauso gut auch außerirdischen Ursprungs sein könnten.

Ursprünglich hatte der Berliner Künstler Ulrich Thiel die Anlage konzipiert und betreute sie bis zu seinem Tod im Jahr 2004. Ihm zur Seite standen die polnischen Bildhauer Kazimierz Krewniak und Adam Sobiraj, die schon 1992 im Tagebau Nochten Kopien uralter Bildwerke geschaffen hatten.

Foto: tmu / Kappest

Stonehenge in Angermünde: Diese und viele weitere Findlinge sind zwischen Angermünder Altstadt und dem Mündesee zu finden.

Dass Steine ihren ganz besonderen Reiz haben können, ist nicht erst seit Stonehenge so. Denn neben dem Naturpark Schlaubetal ist auch die Uckermark reich an Steinen, seit sich auf Initiative des uckermärkischen Bildhauers Joachim Karbe namhafte Granitbildhauer mehrmals zum Internationalen Hartgestein-Symposium in Angermünde getroffen haben. Die Kunstwerke, die das Ergebnis mehrerer Wochen gemeinsamen Arbeitens sind, werden seitdem in der Findlings-Skulpturen-Galerie „Steinzeit der Moderne“ ausgestellt. Beim Durchwandern dieser Freiluftausstellung zwischen Altstadt und Mündesee-Promenade kann sich kaum jemand der Faszination der monumentalen Findlings-Skulpturen entziehen.

Weitere Informationen:
www.schlaubetal-naturpark.de
www.tourismus-uckermark.de
www.angermuende-tourismus.de

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Steinreiches Brandenburg

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Kobbelner Stein: 52.098745, 14.559039
Findlingspark Henzendorf: 52.028091, 14.505392
Findlings-Skulpturen-Galerie Angermünde: 53.020297, 14.005030