Döberitzer Heide: Einmal wie Yakari sein

Przewalski-Pferde in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide

Wo gibt es das sonst noch? Eine Naturlandschaft so groß wie 5000 Fußballfelder einen Steinwurf von einer Hauptstadt entfernt. Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide beginnt hinter der Berliner Stadtgrenze und ist Heimat für Wisente, Przewalski-Pferde und viele weitere seltene Tier- und Pflanzenarten. 

Es dauert gerade ein paar Minuten. Dann taucht der erste Wisent auf. Das braune Fell schimmert durch das Grün der Sträucher. Ein paar Meter weiter stehen noch zwei Wisente. Ich kneife die Augen zusammen, vergesse den Zaun, der mich von den imposanten Tieren trennt. So könnte es früher gewesen sein, als die Wisente in freier Wildbahn nicht ausgestorben waren.

Wisent in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide

Peter Nitschke ruft die Gruppe mit einem langgezogenen „Koooommm“. Aber die Gruppe rührt sich nicht und widmet sich weiter ihrem Frühstück. Nitschke ist studierter Förster und hat die Naturlandschaft Döberitzer Heide aufgebaut. Er kennt die Naturlandschaft wie seine Westentasche. Und er beruhigt den ungeduldigen Besucher aus der Stadt. „Wir sehen noch mehr Tiere“, sagt Peter Nitschke. Er soll recht behalten.

Hinweisschild in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide

Gleich hinter der Berliner Stadtgrenze beginnt die Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide. Das rund 3.600 Hektar große Areal der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide umfasst weite Teile eines ehemaligen Truppenübungsplatzes „Döberitzer Heide“. Die militärische Nutzung ließ größtenteils zusammenhängende Lebensräume mit Trockenrasen, Heiden, Mooren, Laubmischwäldern, Feuchtwiesen, Röhrichten sowie Flugsandfeldern und Binnendünen entstehen.

Heidefläche in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide

Mit Glück lassen sich Seeadler und Fischotter beobachten. Freunde seltener Pflanzen finden hier Sumpfknabenkraut, Lungenenzian, Sonnentau und die Astlose Graslilie. Auf jeden Fall im Rucksack sollte ein Fernglas liegen. Die Stars der Döberitzer Heide sieht man meistens mit bloßem Auge. Denn die Wisente, Przewalski-Pferde und Rothirsche sind einfach nicht zu übersehen.

Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide: Natur kehrt zurück

Mit Peter Nitschke brechen wir zu einer Kontrollfahrt in die Wildniskernzone auf. Das Sanktuarium ist für Besucher nicht zugänglich. Die Wildniskernzone wird von 55 Kilometer Wanderwegen eingeschlossen. Auch auf den Wanderwegen ist für Abwechslung gesorgt. Der Geländewagen rumpelt über die Wege. Ich halte weiter nach Wisenten Ausschau. Gerade soll ein Kälbchen geboren worden sein. Aber von den 75 Wisenten, die mittlerweile in der Döberitzer Heide leben, kreuzt keiner unseren Weg. Links und rechts sind umgeknickte Bäume zu sehen. Das Werk der Wisente erklärt Peter Nitschke. Wenn sich so ein Koloss dagegen lehnt, knicken die Bäume wie Streichhölzer.

Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide

Wir erreichen eine riesige offene Fläche. Die Landschaft fällt leicht ab. Ein gesprengter Bunker steht einsam auf einer Anhöhe. Heute finden Fledermäuse hier Unterschlupf. Wir halten. Etwa 200 Meter vor uns grast eine kleine Herde Przewalski-Pferde. Peter Nitschke ruft wieder und diesmal siegt die Neugier der Vierbeiner. Langsam kommen sie näher. Sie schauen uns neugierig mit ihren Augen an. Die Wildpferde sind nur wenige Meter von uns entfernt. Ich komme mir vor wie der Indianerjunge Yakari, der in der Prärie des Wilden Westens seine Abenteuer erlebt.

Przewalski-Pferde in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide

Przewalski-Pferde in Sielmanns-Naturlandschaft Döberitzer Heide

Vier Sielmanns Naturlandschaften in Brandenburg

Heinz Sielmann kommt Anfang der 1990er Jahre nach Elstal. Anfänglich ist er zurückhaltend. Der munitionsbelastete Boden lässt ihn zögern. Aber Stück für Stück setzt sich die Begeisterung für das einmalige Areal bei ihm durch. Auch Dank seiner Ehefrau Inge. 1994 gründet das Ehepaar die Heinz Sielmann Stiftung, die inzwischen vier große Naturlandschaften in Brandenburg erworben hat. Den Anfang machte die Naturlandschaft in Wanninchen. Die zweite war die Naturlandschaft an der Groß Schauener Seenkette. Die Döberitzer Heide folgte 2006 bevor das ehemalige Bombodrom in der Kyritz Ruppiner Heide das Naturlandschaften-Quartett vervollständigte.

Ein Fest für das Auge

Doch nicht nur die großen Drei, Wisent, Przewalski-Pferd und Rothirsch, lohnen einen Besuch in der Döberitzer Heide. Auch am Wegesrand wartet viel Interessantes. Immer wieder zeigt Peter Nitschke auf bunte Schmetterlinge und Insekten, die vor uns auftauchen, und von denen der Besucher aus der Stadt noch nie gehört hat. Allein 200 Arten der Wegwespe soll es in der Döberitzer Heide geben.

Wisent in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide

Wisente in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide

Unsere Tour endet wieder an der Eingewöhnungszone. Eine Gruppe Wisente versammelt sich gerade zum Mittagsschmaus. Ein letztes Mal unterbricht das Klicken des Fotoapparats die Stille. Was für ein Abschiedsgruß!

Information: Es gibt mehrere Startpunkte, um in die Döberitzer Heide zu gelangen. Der zentrale Parkplatz befindet sich in Elstal, Zur Döberitzer Heide 10, 14641 Wustermark. Mehr Informationen im Internet unter www.heinz-sielmann-stiftung.de.

Das Naturkundemuseum in Berlin widmet dem berühmten Naturfilmer anlässlich seines 100. Geburtstages eine große Sonderausstellung. Die Ausstellung läuft vom 2. Juni bis zum 5. November 2017.