66-Seen-Weg: Auf den Spuren des Kalks

66-Seen-Weg zwischen Erkner und Rüdersdorf

Von Erkner nach Rüdersdorf. Immer am Wasser entlang. Unterwegs Literaturgeschichte besuchen, den Kranichberg erklimmen und zum Schluss in Rüdersdorf Bergbaugeschichte studieren. Das alles gibt es auf dem 66-Seen-Weg südlich von Berlin zu erleben.

Typisches Wochenende in der Großstadt. Nichts besonders vor, also kurzerhand Kamera in den Rucksack gepackt und mit der S-Bahn nach Erkner gefahren. Von hier aus soll es über Woltersdorf nach Rüdersdorf gehen. Die Tour ist eine von 44 Entdeckertouren durch das Seenland Oder-Spree, das gleich hinter der Berliner Stadtgrenze beginnt.

Ruderer auf dem Dämeritzsee in Erkner

Vom Bahnhof in Erkner geht es knapp 15 Minuten durch den Ort, bevor der Wanderweg beginnt. Auf dem Weg liegt noch das Wohnhaus von Gerhart Hauptmann („Die Weber“). Der Literaturnobelpreisträger (hätten Sie das gewusst?) lebte hier von 1885 bis 1889. Am Anfang des Wanderweges grüßt erst einmal ein Gedicht von Theodor Fontane: „An einem Sommermorgen, da nimm den Wanderstab, es fallen deine Sorgen, wie Nebel von dir ab.“

Fontane-Zitat am 66-Seen-Weg in Erkner

Die Etappe ist Teil des 66-Seen-Wegs, der einmal rund um Berlin führt. Ausgedacht hat sich die Weg der Berliner Manfred Reschke. Die Etappen sind so angelegt, dass Start und Ziel immer mit Bus und Bahn erreichbar sind. Für mich ist das perfekt. Kurz nachdem ich in den Waldweg eingebogen bin, kommt der erste See des Tages in Sicht. Es ist der Flakensee. Die Sonne blinzelt durch die Baumwipfel. Jogger und Mountainbiker überholen mich, ansonsten bin ich allein unterwegs. Ein paar Hausboote sind schon auf dem Flakensee unterwegs. Ansonsten herrscht an diesem sonnigen Frühlingstag noch beschauliche Ruhe.

Woltersdorf: Allerhand los rund um die Schleuse

Nach nicht einmal einer Stunde komme ich nach Woltersdorf. Der Ort ist ein beliebtes Ausflugsziel. Alles sieht picobello aus. Die Seepromenade teilen sich die Ausflügler mit den Radlern. Ich mache erst einmal ein paar Fotos von der Schleuse und habe Glück: sie wird gerade hochgezogen, um die nächsten Boot durchzulassen. Zwischen Mittagessen und sportlicher Betätigung entscheide ich mich für den Aufstieg zum Kranichberg.

66-Seen-Weg: Schleuse in Woltersdorf

Von der Schleuse sind es etwa 15 Minuten bis zum Kranichberg und dem Aussichtsturm. Der hat noch eine Überraschung zu bieten. Im Turm gibt es eine kleine Ausstellung über die Kino- und Fernsehfilme, die in Rüdersdorf gedreht wurden. Was ich nicht wusste: Rüdersdorf war vor allem in den ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beliebter Drehort. Hans Albers und Harry Piel drehten hier viele Filme. Mit „Duell – Enemy at the Gates“ stand 2000 sogar Hollywoodstar Jude Law hier vor der Kamera. Mein Gastrotipp: das Café Knappe. Leckerer Kuchen. Und wer eine kleine Mahlzeit möchte, wird hier auch fündig!

Aussichtsturm Kranichberg in Woltersdorf

66-Seen-Weg: Immer am Wasser lang

Ab Woltersdorf schlängelt sich der Wanderweg entlang des Kalksees. Am Wegesrand liegen kleine Badestellen, die im Sommer zu einem Sprung ins kühle Nass einladen. Heute scheint zwar die Sonne, aber das Wasser hat noch nicht meine Temperatur. Wenig später tauchen schon die ersten Häuser von Rüdersdorf auf. Das ist eine Wanderung ganz nach meinem Geschmack. Schön kurz und abwechslungsreich.

66-Seen-Weg bei Woltersdorf

Ein kurzer Blick auf die Uhr: für den Museumspark Rüdersdorf ist noch Zeit. Das Industriedenkmal ist beeindruckend. Seit fast 800 Jahren wird in Rüdersdorf Kalkstein abgebaut – und der Museumspark erzählt die Geschichte des Kalkabbaus. Die technischen Bauwerke, die nach Entwürfen berühmter Baumeister wie Schinkel errichtet wurden, sind ein einzigartiges architektonisches Ensemble. Fotografen finden hier jede Menge Motive. Auf der anderen Seite der Schornsteinbatterie liegt die verlassene Chemiefabrik, die auch schon als Drehort diente. Die US-Serie „Homeland“ drehte hier für eine Episode und baute hier ein Flüchtlingslager auf.

Museumspark Rüdersdorf

Museumspark Rüdersdorf

Meine Tour endet mit einer langen Straßenbahnfahrt, die mich nach Friedrichshagen zur S-Bahn bringt. Auf der Rückfahrt habe ich Zeit, die nächste Entdeckungstour durch das Seenland Oder-Spree zu planen. 43 habe ich noch zur Auswahl.

Tipp: Wer die Strecke etwas abkürzen möchte, fährt mit der Straßenbahn 88 von Friedrichshagen nach Woltersdorf und beginnt die Wanderung dort. In Woltersdorf gibt es zahlreiche Lokale. Der Kuchen im Café Knappe ist eine Empfehlung.

Information: Mehr Tipps und alle Etappen des 66-Seen-Weges auf www.reiseland-brandenburg.de