25 Jahre Brandenburg: Aus Liebe zu Neuruppin

Gabriele Lettow

Gabriele Lettow, Inhaberin des Up-Hus-Idylls in Neuruppin

So ein Hotel hat nicht jeder. Mitten in Neuruppin steht es – das Up-Hus-Idyll. Ihm gegenüber liegt eine kleine Kirche, die Siechenhauskapelle, wo auch die Rezeption für das Hotel zu finden ist. Inhaberin ist Gabriele Lettow – sie träumte schon zu DDR-Zeiten davon, das mittelalterliche Ensemble der Fontane-Stadt wieder zu neuem Leben zu erwecken.

Es ist schon ein kleiner Traum, den sich Gabriele Lettow hier verwirklicht hat. Schon zu DDR-Zeiten, Mitte der 1980er-Jahre, hatte sie den Plan gehabt, etwas aus diesem Areal zu machen. Schließlich handelt es sich dabei um das ehemalige Siechenhospital, die Siechenhauskapelle sowie das Up-Hus, welches das älteste, erhaltene Fachwerkhaus von Neuruppin ist. „Daher hatte ich gleich nach der Wende, im Jahre 1990, das mittelalterliche Gebäude inklusive des Hofs gekauft. Nach dem Fall der Mauer war auf einmal vieles möglich geworden, wovon ich sonst jahrelang nur träumen konnte“, sagt sie.

Foto: Up-Hus-Idyll

Blick auf die Siechenhauskapelle, rechts daneben das älteste Fachwerkhaus der Stadt. Im Hintergrund ist die Klosterkirche St. Trinitatis zu sehen.

Sie hatte damit nun die Chance bekommen, etwas Neues daraus zu machen. Dass ihr allerdings 13 Jahre Sanierung bevorstehen würden, hatte sie damals natürlich nicht ahnen können – auch nicht als gelernte Bauingenieurin. Doch der jahrelange mühevolle Kampf mit Ämtern und Behörden, dieses einmalige, historische Denkmal zu erhalten, um es später nutzen zu können, hat sich gelohnt. Zunächst entstand ein Restaurant, das sich schon bald unter den Neuruppinern sowie Touristen zu einer gefragten Adresse mit guter Küche in der Stadt etabliert hat. Außerdem baute sie später das Up-Hus zu einem Hotel mit 18 Zimmern aus.

Foto: Up-Hus-Idyll

Ältestes Fachwerkhaus der Fontane-Stadt: Das Up-Hus beherbergt heute ein Hotel sowie ein Restaurant.

Spätgotisches Kleinod in Neuruppin

Aber als Unternehmerin wollte sie sich mit dem bislang Erreichten nicht zufrieden geben. Daher kaufte ich ein paar Jahre später, 1998, die genau gegenüberliegende alte Siechenhauskapelle mit dem einstigen Siechenhospital, welches 1491 erbaut und von einem Bürger Neuruppins gestiftet worden war. „Ich hatte mir fest vorgenommen, dieses spätgotische Kleinod, das ein Muss bei jedem Stadtrundgang ist, zu neuem Leben zu erwecken“, erzählt sie. Und der Aufwand war es wert. Nach Abschluss der Sanierung im Jahr 2004 entstand hier ein festlicher Mehrzweckraum, der gleichermaßen für Tagungen, Ausstellungen, Familienfeiern – aber auch als Standesamt und Konzertsaal genutzt werden kann. Außerdem befindet sich seitdem in der Kapelle die Rezeption für das gegenüberliegende Hotel Up-Hus-Idyll.

Foto: Up-Hus-Idyll

Siechenhauskapelle in Neuruppin: Die einstige Kirche wird heute unter anderem für Konzerte und als Standesamt genutzt.

Doch neben dem Hotel- und Restaurantbetrieb lag ihr auch schon immer die Kultur am Herzen. „Mit Kultur kann man zwar kein Geld verdienen, aber man kann Synergien erzeugen und Gäste in die Stadt locken, die dann hier Essen gehen oder in der Stadt übernachten möchten“, sagt sie. Daher stellte sie vor sechs Jahren zusammen mit der Lautten Compagney Berlin ein neues Musik-Festival auf die Beine und gab ihm den Namen Aequinox. Damit wird der Zeitpunkt bezeichnet, an dem es stattfindet – nämlich Ende März, zwischen dem 20. und 22. März, wenn Tag und Nacht gleich lang sind.

Konzert im Flugzeug-Hangar

„Das Besondere an diesem Festival sind neben den herausragenden Künstlern, die wir bislang dafür verpflichten konnten, die teilweise außergewöhnlichen Spielstätten. So hatten wir in den vergangenen Jahren schon Musik in einer Mülltonnen-Fabrik, einem Autohaus oder einem leerstehenden Kaufhaus. In diesem Jahr gab es erstmals ein Konzert in einem stillgelegten Flugzeug-Hangar, der zuletzt vor 25 Jahren von der russischen Armee genutzt worden war“, berichtet sie. Und sie hat das Aequinox-Festival bewusst in den März gelegt, wenn kulturell noch nicht so viel los ist, um auch zu dieser Jahreszeit Touristen in die wunderschöne Fontane-Stadt zu locken.